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Gunther verspürt ein leichten Kribbeln, nachdem er sich mit dem Deck verbunden hat.

Ein Rauschen und Rumpeln ist das Nächste, was er verspürt. Er befindet sich in einem nach vorne offenen Fahrstuhl, der mit rasanter Geschwindigkeit in die Tiefe fährt, unheimliche Dunkelheit um ihn herum. Sekunden später ist er unten angekommen, wo auch immer. Die Tür des Fahrstuhls öffnet sich und Gunther schaut in einen langen Gang, der in regelmäßigen Abständen von Neonröhren an der Decke erhellt wird. Drei Gänge gehen von dem Hauptgang jeweils nach links und rechts ab. Kabel und Rohre unterschiedlichster Größe verlaufen an der Decke auf metallenen Halterungen. Die Wände des Ganges sind aus dunklem, leicht glänzendem Gestein. Der Boden besteht aus dem gleichen Gesteinsmaterial und ist leicht rutschig. An jeder Abzweigung des Ganges hängen kleine Metallschilder – auf den am nächsten Gelegenen steht zur rechten Seite „Sohle I“ und zur linken Seite hin „Sohle II“.

Noch während Gunther die Szenerie in sich aufnimmt, wird er jäh aus seiner Beobachtung gerissen. Vor ihm, in etwa zehn Meter Entfernung erscheint ein menschengroßer, schwebender Hammer, der direkt auf ihn zukommt. Zur gleichen Zeit leuchtet eine Nummerntastatur neben dem Fahrstuhleingang auf; sehr seltsam, denn diese hatte Gunther bisher nicht bemerkt!

Mit einem Mal wird Gunther bewusst, dass er ohne jegliche Sicherheitssoftware in die Matrix eingetaucht ist. Er war so fasziniert von dem modernen Cyberdeck, dass er gar nicht daran gedacht hatte, seine Standardprozeduren ablaufen zu lassen, die er eigentlich schon seit dem Teenageralter etabliert hat und immer befolgt, bevor er sich mit der Matrix verbindet.

Erste Schweißperlen bilden sich auf Gunthers Stirn, als seine Finger über die Tastatur des Cyberdecks fliegen. Er will prüfen, ob ein Schild  und ein Angriffsprogramm auf dem Cyberdeck geladen ist, aber er kennt sich mit der Icon-Struktur des Decks noch nicht aus. Viel Zeit wird ihm nicht bleiben, bis der Hammer, der wohl eine Versinnbildlichung eines IC darstellen soll, zuschlägt. Hastig versucht er, einen Schild hochzufahren, kann aber auf die Schnelle nur ein sehr rudimentäres Angriffsprogramm finden. „Besser als nichts“, schießt es ihm durch den Kopf, als er die Software in den Arbeitsspeicher des Decks lädt und startet.

Er will sich gerade weiter mit der Verzeichnisstruktur des Decks beschäftigen, um nach weiteren Sicherheitsprogrammen zu suchen, als er aus den Augenwinkeln mitbekommt, wie der Hammer auf Armeslänge an ihn herangekommen ist und eine imaginäre Hand zum Schlag ausholt. Unwillkürlich schließt Gunther die Augen, beißt die Zähne zusammen und zieht die Schultern hoch, als würde dies eine passable Verteidigung gegen den virtuellen Angriff darstellen können. Innerlich ist er auf alles gefasst, was dann jedoch kommt, überrascht ihn völlig.

Die Wucht des Hammerkopfes trifft Gunthers Icon direkt auf die Brust, sein Avatar wird mehrere Meter den Gang zurückgeschleudert, und dieser unfreiwillige Flug wird erst durch die Rückwand des Aufzugs abrupt gebremst. Der Schmerz des Aufpralls ist so real, dass Gunther die Luft aus den Lungen gedrückt wird. Sekundenbruchteile später bricht das Bild des unterirdischen Tunnels zusammen, und wie Blitze zuckende Schmerzen bohren sich durch Gunthers Rückenmark bis hinauf zu seinem Gehirn.

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