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„WOW!“, entfährt es Gunther, als er sich parallel die Elektroden von den Schläfen zieht. Dabei laufen ihm ein paar Schweißperlen die Stirn und den Rücken herunter. Mit solch einem heftigen IC-Angriff  hatte Gunther nicht gerechnet. Er war auch ohne große Vorbereitungen in die Matrix eingetaucht, was sicherlich zu diesem kläglichen Scheitern beigetragen hat. Sein neuraler Kortex hatte einem solchen Angriff nichts entgegen zu setzen. Augenscheinlich war dieser Greg doch mehr als nur ein Sammler komischer Artefakte.

„Wow“, entfährt es ihm ein zweites Mal, während er versucht, seine hämmernden Kopfschmerzen durch Massieren seiner Schläfen einzudämmen. „Ich glaube, damit muss ich mich später mal in Ruhe beschäftigen“, beruhigt er sein aufgewühltes Gemüt selbst. Während er mühsam versucht, aufzustehen, muss er sich schwankend am Türrahmen festhalten. Er atmet tief durch, um einen Brechreiz zu unterdrücken, dann richtet er sich komplett auf und schaut auf die wie vor Hohn blinkenden Lichter des Servers. „Greg, du elender Bastard“, schnauzt er plötzlich wütend die Maschine an, als ihm etwas klar wird, „warum zum Teufel sicherst du deinen Host mit einem IC selbst vor den Leuten, die sich direkt mit dem Server verbinden, anstatt nur gegen solche, die von außen eindringen? Das macht keinen Sinn!“

Er schüttelt noch mal seinen Kopf, um die letzten Nebel der Benommenheit loszuwerden, und massiert angestrengt seinen Nacken, als sein durch den Raum streifender Blick wieder auf die Pinnwand mit den Zeitungsartikeln fällt. Neugierig geht er einen Schritt näher, um die Artikel zu begutachten. „Seit wie vielen Jahrzehnten gibt es keine Zeitungen mehr?“, murmelt er zu sich selbst.

Die Kopfschmerzen sind wie kleine Nadelstiche als Gunther näher zur Pinnwand geht. Insgesamt vier Zeitungsausschnitte hängen mit Magneten befestigt vor dem Zwerg. Augenscheinlich handelt es sich um Ausdrucke einer Tageszeitung, die dann hier aufgehängt wurden. Es handelt sich um folgende Artikel:

RHEIN-RUHR

KFS-Sondereinsätze in Herten-Halde halten an: Berechtigter Einsatz gegen einen KFS-Seuchenherd oder brutale Polizeiaktion gegen protestierende Bürger? Weitere solidarisierende Demos in verschiedenen Orten des RRP angekündigt. Wann explodiert der Pott?

Unbrauchbar

Nachdem im August mit mehrmonatiger Verzögerung die neue Ordonanzwaffe des Bundeskriminalamtes (BKA) in drei Dienststellen eingeführt wurden, mehren sich die Beschwerden über die leichte Pistole.

Die Executive Action des Waffenherstellers Fichetti sollte die in die Jahre gekommene Walther P99 ersetzen. Die neue Waffe stößt aber bei den Beamten auf wenig Gegenliebe. In mehreren Polizeiforen werden die Vorzüge der fast 80jährigen P99 diskutiert, während die neue Executive Action vor allem mit Ladehemmungen von sich Reden macht. Besonders der vom Hersteller angepriesene Salvenmodus sei im Einsatz kaum zu gebrauchen. Viele Beamte greifen darum im Dienst weiterhin auf die P99 zurück. In einer im LawNet gestarteten Petition sprechen sich die Beamten für den Wechsel zur Fichetti Security 600 aus, deren Technik sich im Sicherheitsbereich bewährt hat. Auch die Colt Agent Special und die Fianchetti Military 100 sind im Gespräch. Bislang haben rund 1.500 Beamte die Petition mitgezeichnet, darunter auch Kollegen des Bundesgrenzschutzes (BGS), die im kommenden Frühjahr mit der neuen Dienstwaffe ausgerüstet werden sollen. Das Innenministerium dementiert Berichte über vermehrt auftretende Funktionsstörungen. Es handele sich um Einzelfälle, die vermutlich auf fehlerhafte Bedienung zurückzuführen sind. Man prüfe derzeit die gemeldeten Vorfälle und würde ein entsprechendes Schulungsprogramm erarbeiten. Ein erneuter Modellwechsel werde nicht in Erwägung gezogen. Von der Fichetti Executive Action wurden 7.000 Stück bestellt, die nach anfänglichen Lieferschwierigkeiten nun an die einzelnen Dienststellen ausgeliefert würden. Eine Stornierung und Neuausschreibung würde Kosten nach sich ziehen, die im aktuellen Haushalt nicht vorgesehen und für den Steuerzahler somit kaum tragbar sind. Bleibt abzuwarten, ob dem Bürger mit einer nur bedingt einsatzbereiten Exekutive im Einsatz mehr gedient ist.

AZTECHNOLOGY GRÜNDET „BASILISK“

BRANDENBURG KURIER

Seit Jahren investiert Aztechnology in magische Forschung im Spreewald, oft gegen den Willen der sorbischen Urbevölkerung. Nun einigen sich die Weisen Männer mit Aztechnology auf die Einrichtung eines gemeinsamen Instituts „Basilisk“ zur Erforschung und Stärkung der „Spreewald-Magie“.

BERLIN

Nach seiner Wiederwahl als Bezirksvertreter von Tegel: 3. Berliner Bürgermeister Koslowski von Autobombe getötet.

Sofort fällt Gunther ins Auge, dass bei zwei Artikeln handschriftliche Notizen neben diesen gemacht wurden. Dieses ist zum einen bei dem Artikel über die Aztechnology der Fall. Hier ist das Wort „Basilisk“ rot eingekreist und in Handschrift die Worte „da steckt viel mehr dahinter“. Und zum anderen ist dies bei dem Bericht über das Attentat auf den Bürgermeister der Fall. Hier wiederum steht das Wort „Zusammenhang?“, welches mit einem Pfeil in Richtung des Aztech-Artikel verbunden ist. Auf einem der Artikel findet Gunther noch die Jahreszahl 2071 sowie die Letter von DeMeKo.

Gunther schüttelt zum wiederholten Male in der letzten Stunde ungläubig den Kopf. So langsam wird er aus diesem Greg nicht mehr schlau, die ganze Wohnung ist ein einziges großes Rätsel: erst die merkwürdige Botschaft über Trideo, das mysteriöse Foto, ein Notizbuch nur mit Namen und Nummern, ein verbrannter Zettel, das Datenpad mit Gregs vermeintlich letztem Termin, die Bochumer Karte mit den vielen Fähnchen, der Geheimraum mit dem Server, der mit einem IC gegen Eindringlinge von Innen geschützt ist, und nun dieses Sammelsurium aus Nachrichten über KFS, nicht funktionierende Waffen und Aztechnology im Spreewald. Nicht nur aufgrund des plötzlichen Auswurfs aus der Matrix brummt Gunther gehörig der Schädel.

„Ich brauche frische Luft“, jappst er.

[END OF TRANSMISSION]