Schlagwörter

, , ,

[<==back: Hauptquartier, Teil 1] ... [<==back: Hauptquartier, Teil 3]

Gunther prüft zwar kurz, ob die Aktenordner auch über eine Farbcodierung verfügen, wie die Nadeln in der Karte, aber leider nicht. Dann erinnert er sich plötzlich wieder an diese kleine „architektonische Besonderheit“, die er schon beim Eintreten in den Raum bemerkt hatte – dass er Innen kleiner ist, als er von Außen eigentlich sein müsste.

Mit einem kurzen Blick in den Flur versichert er sich noch mal, an welcher Wand des Raumes etwas fehlen müsste, dann macht er sich auf die Suche. Gunther klopft, fühlt und schaut gewissenhaft, ob er einen Spalt irgendwo an der Wand entdecken kann. Nach einer gefühlten Ewigkeit ertastet er einen feinen Spalt hinter dem mit Akten gefüllten Regal. Er folgt den Konturen mit seinem Fingern bis zum Fußboden. Hier stellt er fest, dass ein Teil des Regals auf kleinen, nur sehr schwer zu erkennenden Rollen befestigt ist. Auch am Regal ist bei genauerer Betrachtung zu sehen, dass ein etwa ein Meter breites Stück ausgespart ist. Wieder greift Gunther in das Regal und findet unter einem der Regalbretter einen kleinen Knopf.

Instinktiv zuckt Gunthers Finger in Richtung des Knopfes, nur um gleich darauf wieder zögernd zurückzuzucken. „Was mag sich wohl hinter der geheimen Regaltür verbergen?“, fragt er sich neugierig. Es muss sich um etwas handeln, das gut geschützt werden muss, wenn Greg so viel Aufwand betreibt, es geheim zu halten. Vielleicht ist es so schützenswert, dass es noch anders gesichert ist …?

Wieder zögert Gunther kurz, dann atmet er tief durch, entspannt sich und drückt den Knopf. Mit einem kaum hörbaren, klickenden Geräusch springt die Tür mit dem daran befestigten Regal einen kleinen Spalt auf. Gunther hält kurz den Atem an und ist äußerst angespannt. Er horcht in den Raum hinein und hört ein leises Summen, wie er es von Rechnern oder Servern her kennt. Der kleine Raum selbst ist in vollkommene Dunkelheit getaucht.

Vorsichtig drückt Gunther die Tür etwas weiter auf, so dass er einen ersten Blick in den Raum werfen kann. „Ein Königreich für eine Taschenlampe”, murmelt er, aber noch während er vorsichtig an der Innenseite der Wand entlang nach einem Lichtschalter tastet, startet eine Neonröhre und verbreitet nur ein paar Sekunden später ihr Licht in dem kleinen Geheimraum. Durch den Spalt kann der Zwerg zu seiner Rechten einen großen, schwarzen Kasten sehen, in dem viele kleine, vielfarbige Lichter blinken. Davor liegt eine Art Tastatur auf dem Boden. Direkt gegenüber hängt an der Wand eine altmodische Pinnwand, an der mehrere Zeitungsausschnitte festgemacht sind. „Ah, dieser Greg war doch nicht nur von gestern“, kommentiert Gunther halblaut, als ihm der Server ins Auge fällt. Er öffnet die Tür, betritt den Raum und erkennt zu seiner Linken, hinter der Tür, ein bis zur Decke reichenden Regal – ein kleiner, schwarz-silberner Metallcontainer auf Rollen. Er besitzt fünf Schubladen und ist von robuster Verarbeitung. In dem Wandregal darüber liegen ordentlich einsortiert Gegenstände, die teilweise auf Tüchern ruhen oder mit Tüchern abgedeckt sind.

Ein Klicken kommt vom Server rechts und Gunther entweicht ein leiser Pfiff – denn das, was er zunächst als Tastatur erkannt hat, stellt sich bei genauerer Betrachtung als Cyberdeck heraus: ein Radio Shack PCD-200! Ein Glasfaserkabel führt vom Deck zum Server, und das Deck scheint noch aktiv zu sein.

Gunther wird mit einem Mal ganz aufgeregt, seine Handflächen beginnen zu schwitzen und ein anerkennender Pfiff kommt über seine Lippen. Er blickt sich kurz um, als müsse er sich vergewissern, dass ihn niemand beobachtet, dann setzt er sich in den Schneidersitz auf den Fußboden, legt sich fast andächtig das Cyberdeck auf die Knie und begutachtet es, wie ein kleines Kind, das ein langersehntes Spielzeug geschenkt bekommen hat.

Nach einem kurzen Moment des ehrfürchtigen Schweigens legt er sich die Elektroden des Cyberdecks an die Schläfen und schaltet es ein. Er ist ja doch zu neugierig, was das für ein Server ist, der die ganze Zeit über beständig blinkt und summt.

[==>forward: Hauptquartier, Teil 5]