[Und danach?] Systemvorstellung: Der Sprawl

Schlagwörter

, , ,

Die Artikelserie [Und danach?] richtet sich vornehmlich an meine Spieler, denen ich auf diesem Weg die neuen Systeme vorstellen möchte, die ich mir als mögliche Ablösung für unsere laufende D&D 3.5-Kampagne herausgesucht habe. Ich hoffe jedoch, dass auch andere Leser sie zumindest ein wenig interessant finden werden.

Ich muss jedoch dazu sagen, dass ich die meisten Systeme, die ich hier vorstelle, bisher entweder gar nicht oder nur probeweise (zum Beispiel auf Cons oder Spielertreffen) gespielt habe. Die Infos resultieren aus dem Lesen der entsprechenden Regelwerke (wie etwa heute) und/oder Settings, was aber ggf. auch schon ein paar Jahre her sein kann, oder aus Drittinfos aus dem Netz (eine gute Quelle hierfür ist übrigens der FrostCast, wer ihn noch nicht kennen sollte). Trotz großer Bemühungen um Korrektheit kann ich also nicht ausschließen, dass sich Fehler eingeschlichen haben — wer welche findet oder andere Dinge anmerken möchte, die ihm für das System wichtig erscheinen, kann mir gerne einen Kommentar hinterlassen.

Hä? Aber ursprünglich stand in der Liste an dieser Stelle doch „Dungeonslayers“?! Ja, tat es, ich habe mir aber gedacht, dass drei verschiedene Fantasy-Systeme genug sind, und habe stattdessen noch ein neues Genre mit aufgenommen: Cyberpunk (immerhin gilt 2020 als das Cyberpunk-Jahr …). Zwar stimmt jetzt die alphabetische Reihenfolge nicht mehr ganz, aber ich muss etwas weniger erklären, weil es Parallelen zum letzten System (Dungeon World) gibt  …

Ich werde die Systeme wie immer anhand von sieben Fragen vorstellen:

Um welches Genre geht es?

Cyberpunk.

In was für einer Welt spielen wir?

In einer nahen Zukunft haben weltumspannende, megakapitalistische Konzerne die Macht übernommen und die Regierungen der Nationalstaaten zu Marionetten verkommen lassen. Aber sie sind nicht mit dem zufrieden, was sie haben, sondern wollen immer noch mehr – koste es, was es wolle. Wer für die Konzerne arbeitet, lebt in deren riesigen Arkologien in bescheidenem Luxus, ist aber nicht frei. Wer frei ist, lebt in den riesigen Ballungszentren, die sich aus den Großstädten und Metropolen gebildet haben – den Sprawls – und muss sich irgendwie durchschlagen. Technik hat sich weiterentwickelt und ist allgegenwärtig, selbst im Inneren des menschlichen Körpers. Überall ist Kommerz, Neon und Chrom. Und Dreck. Die Welt ist aber nicht im Detail vorgegeben, sondern wird von den Spielern zusammen mit dem Spielleiter entwickelt.

Wen oder was spielt ihr?

Die Großkonzerne schrecken auch vor Spionage, Diebstahl, Entführung und Mord nicht zurück, um ihre Ziele zu erreichen, aber wollen sich natürlich die Finger nicht schmutzig machen. Dafür benötigen sie Leute aus der Gosse, (kleinkriminelle) Profis, die sich ein paar schnelle Kredits verdienen wollen – und im schlimmsten Fall ersetzbar sind …

Wie werden die Charaktere erschaffen?

Durch Verteilen von Punkten, Auswahl von Optionen und Beantwortung von Fragen. Es gibt 10 Klassen (Fahrer, Hacker, Infiltrator, Jäger, Killer, Mittler, Prediger, Reporter, Soldat, Techie), die in Klassenbüchern beschrieben sind, die ggf. auch wieder als Charakterbogen verwendet werden können. Hier verteilt man Boni bzw. Abzüge auf die sechs Attribute (Stil, Schneid, Fleisch, Verstand, Ruhe, Synth) und wählt dann unter verschiedenen, vorgegebenen Optionen seine Fähigkeiten (hier „Spielzüge“ genannt), seine Cyberware (implantierte High-Tech) und seine Ausrüstung aus.

Wie verbessern sich Charaktere?

Charaktere erhalten Erfahrungspunkte, wenn sie während einer Mission bestimmte Meilensteine erreichen oder die Mission erfolgreich abschließen, sich die Beziehung zu einem anderen SC ändert oder sie ihrer persönlichen Agenda folgen. Hat der SC genug EP zusammen, erhält einen neuen Spielzug, erhöht eines seiner Attribute um einen Punkt oder kann andere Verbesserungen erlangen, bis er sich zur Ruhe setzt.

Wie sieht das Regelsystem aus?

Hier muss ich relativ wenig schreiben, denn Der Sprawl ist Powered by the Apocalypse, funktioniert also im Prinzip ähnlich wie Dungeon World. Zusätzliches Regelelement sind hier noch die sog. Countdowns, die verwendet werden, um das Gefahrenpotential einer Mission anzuzeigen, um so Zeitdruck und Action zu erhöhen. Auch jeder Konzern, aber auch andere Bedrohungen, haben einen solchen Countdowns, der anzeigt, wie sehr die entsprechende Fraktion den Charakteren das Leben schwer macht. Um die Planung der Mission nicht zu akribisch (und damit zeitintensiv) werden zu lassen, kann man hier „abstrakte“ Infos und Ausrüstung beschaffen, die erst während der eigentlichen Mission (per kurzen Rückblenden) konkret beschrieben werden.

Was sind die Besonderheiten des Systems?

Es gilt erst mal vieles von dem unter Dungeon World gesagtem: Das System legt sehr viel Welterschaffung in die Hände der Spieler, die (nicht nur) zu Beginn des Abenteuers (oder der Kampagne) die Fragen des Spielleiters beantworten müssen; dadurch ist die Welt sehr offen und auch für den Spielleiter überraschend („spiele, um herauszufinden, was passiert“). Das Spielsystem mit den Spielzügen ist recht ungewöhnlich und sorgt auch dafür, dass der Spielleiter nie würfelt, was seinen Fokus weg von den Regeln hin zur Geschichte legt. Hinzu kommt das ungewöhnliche Konzept der Countdowns, um Action und Bedrohung aufzubauen.

Die Missionen haben eine klar definierte Abfolge (Auftragsvergabe, Beinarbeit und Planung, Ausführung, Belohnung) und werden in der Regel innerhalb einer Spielsitzung abgehandelt, was super zum Spielturnus unserer Gruppe passen würde.

Weitere Infos und Links

  • Der Sprawl ist sowohl beim Uhrwerk Verlag als auch bei Pro Indie im Programm.
  • Auf der Produktseite von Pro Indie gibt es auch einiges an Downloads, zum Beispiel Charakterbögen, Spielhilfen oder Missionen.
  • Eine Rezension des Regelwerks gibt es drüben beim Würfelheld.
  • Bei den Teilzeithelden gibt es ein Interview mit Herausgeber Carsten Damm.