[Schwarze Diamanten] Prolog, Teil 3

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Gunther schaut dem davoneilenden Anwalt noch so lange irritiert hinterher, bis dieser in seinen Phaeton gestiegen und davongebraust ist. Nachdenklich schließt er die Tür, was das elektronische Schloss mit drei kurzen Signalen und einem lauten Klacken quittiert, und legt die Kette wieder vor. „Was für ein merkwürdiger Besuch“, murmelt er zu sich selbst. Er wird das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas faul ist – das schicke aber unpassende Auftreten des Typen, der dicke Wagen, das Unterschriftspad, die Hektik und der eilige Abgang zum Schluss …

Dann fällt Gunther der seltsame Umschlag in seiner Hand wieder ein. Er wendet ihn von links nach rechts, nur um festzustellen, dass er tatsächlich weder Adressat noch Absender aufweist, nur einen Firmenstempel der Kanzlei Pájeros & Meyer mit einem handschriftlichen alphanumerischen Code darunter, wahrscheinlich ein Aktenzeichen. Gunther überlegt kurz, ob er sich in das Firmennetzwerk des Anwaltes einhacken und die Akte studieren soll, verwirft diesen Gedanken aber wieder. Er geht zum Küchentisch zurück, reißt den Umschlag auf und kippt den Inhalt vorsichtig auf den Tisch.

Er staunt nicht schlecht, als er das Sammelsurium an Dingen sieht, die nun vor ihm liegen. Als erstes fällt ihm ein in Kunstleder gebundenes Notizbuch ins Auge, dessen Seiten noch aus echtem Papier bestehen! Ein kurzes Durchblättern offenbart eine Menge an Namen und zugehörigen Kommlink-Nummern, die jedoch bis auf etwa zwei Dutzend durchgestrichen wurden. Einige der verbliebenen Namen sind mit kleinen Symbolen versehen, die allerdings nirgendwo in dem Notizbuch erläutert werden. Irritiert legt Gunther das Buch zur Seite und hebt einen kleinen Datenspeicher mit einem Display auf.

Schnell hat er den Speicher aktiviert und prüft den Inhalt: zuerst schiebt sich mehrere Sekunden lang eine Wand aus Hexadezimalcode und Sonderzeichen über den kleinen Bildschirm, wahrscheinlich verschlüsselte oder komprimierte Daten, dann folgt ein unverschlüsselter, alphanumerischen Code und der Name Thomas Gregorius. Gunther schluckt unwillkürlich. Zwar hat er so etwas noch nie zuvor gesehen, er hat aber genug Erfahrung im Hacken der Matrix, um es sofort als das zu erkennen, was es ist: eine gefälschte SIN, die nur darauf wartet, hochgeladen und aktiviert zu werden. Als wäre er von etwas gestochen worden lässt er den Datenspeicher verschreckt auf den Tisch zurückfallen.

„Was noch?“, murmelt er und wirft erneut einen Blick auf die Dinge, die aus dem Umschlag gefallen sind. Neben einem halben Dutzend Credsticks liegt dort noch ein Schlüsselbund mit insgesamt drei mechanischen und einem elektronischen Schlüssel. Auf einem kleinen Metallschild, das ebenfalls am Schlüsselring befestigt wurde, kann Gunther eine eingravierte Adresse lesen: „Sonnenleite 12, Bochum“, jedoch keinen Namen.

Gunther schüttelt verwirrt den Kopf: „Was zum Henker soll das? Ein Haufen Gegenstände, die eine Menge Fragen aufwerfen, aber keine Erklärung?“, spricht er zu sich selbst. Noch einmal greift er nach dem Umschlag, öffnet ihn und schaut hinein. Tatsächlich hat sich ein papierner Zettel darin verkantet, den Gunther nun herauszieht. Er entfaltet die Notiz und liest:

Hi Chummer!
 
Ich kann mich deinen Gesichtsausdruck jetzt gut vorstellen! Is aber egal. Alle Gegenstände vor dich, sind der Schlüssel zu einem neuen Leben, oder auch nich! In Bochum wartet jemand auf dich. Triff ihn annen alten Containerterminal in Langendreer. Er wird dich dann alles weitere erklärn. Sobald du die SIN aktiviert hast, hasse 24 Stunden Zeit, den Kontakt herzustellen. Du hasset selbst inne Hand – Viel Erfolg
 
   Dein Onkel Hannes.
 
END OF TRANSMISSION
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