[Schwarze Diamanten] Ankunft, Teil 4

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Gunther beschließt, seine Sachen erst einmal im Wagen zu lassen, um ein wenig die Umgebung zu erkunden. Während er seine Streetline Special aus der Sporttasche friemelt und sie sich wieder in den hinteren Hosenbund steckt, beobachtet er weiter die skurrile Szenerie vor seinem Wagen. Letztendlich steigt er aber doch aus und setzt das erste Mal einen Fuß auf den Boden des RRP.

Der Pickup quittiert die Betätigung der Zentralverriegelung mit einem satten Piepton, als sich Gunther neben die illustre Truppe auf den Bürgersteig stellt. Er gibt vor, die Wohnsilos nach der gesuchten Hausnummer abzusuchen, tatsächlich aber lauscht er ein wenig dem Gespräch zwischen der Frau und den Polizisten.

„Und ich sach ihnen doch“, bekräftigt die beleibte Frau, „letzte Nacht war da widda dieset Leuchten, da unten innen abgesperrten Bereich!“ Mit einer erneuten Handbewegung macht sie die Dringlichkeit der Situation deutlich.

„Nun beruhigen sie sich erst einmal und gehen zurück in ihre Wohnung. Mein Kollege und ich werden mal nach dem Rechten sehen”, antwortet einer der Polizisten mit knappen aber deutlichen Worten. Der orkische Polizist protokolliert das Ganze und tippt die Aussage in ein Datenpad. Kurz darauf machen sich die Polizisten auf den Weg und gehen auf einem schmalen Trampelpfad entlang, welcher von Müll und Unrat gesäumt wird, hinter das Gebäude.

„So nun iss aber genug, ab mit euch. Geht spielen oder macht sonst watt!“, raunzt die beleibte Frau die spielenden Kinder an. Sie murmelt noch ein paar Worte in sich hinein, wirft Gunther dann einen kurzen Blick zu, um mit einem kurzen “Tach!” in Richtung des Eingangs zu Haus Nummer 42 zu verschwinden.

„Entschuldigen Sie“, ruft Gunther der Frau hinterher, als er bemerkt, wo sie hin will. Als sie sich umschaut, setzt er sein gewinnbringendstes Lächeln auf und eilt ihr, so schnell es sein steifes Knie erlaubt, hinterher. „Wohnt hier zufällig jemand, der Hannes heißt? Nachname weiß ich leider nicht, Tannberg möglicherweise“, fragt er sie freundlich. Nach einem kurzen Zögern fügt er hinzu: „Oder jemand, der Thomas Gregorius heißt?“

„Äh, wer will dat wissn!?“, kommt die unfreundliche Antwort. Langsam dreht sich die Frau um und bläst dabei eine blaue Wolke Zigarettenrauch in den grauen Himmel. Sie mustert Gunther von oben bis unten. „Noch ‘n Meta!“, sagt sie mehr zu sich selbst. „Hannes sach se!? Da muss ich ma überlegn. Botzekowsksi, Müllers, Aydans …“, sie zählt noch ein paar weitere Namen auf, augenscheinlich Bewohner des Hauses, „und der alte Paul. Aber ein Hannes, nich dat ich wüßte. Aber halt! Ganz oben da hat ma sonnen komischen Typ gewohnt, aber der Name will mich einfach nich einfallen! Den hab ich abba schon länga nich mehr gesehn. Wieso frach se überhaupt!?“

Wieder lächelt Gunther freundlich: „Och“, zieht er sich schnell eine Ausrede aus der Hüfte, „der Hannes hat mich gebeten, auf seine Wohnung aufzupassen, während er im Urlaub ist. Ich habe aber die Hausnummer vergessen. Ich meine, es wäre 42 gewesen, bin mir aber nicht sicher. Und bevor ich den Schlüssel hier …“, er kramt aus seiner Hosentaschen den Schlüsselbund hervor, mit dem er geistesabwesend spielt, „… an jedem Schloss ausprobiere, dachte ich, ich frage mal einfach.“

„Nee, Hannes hieß der nich, oder doch!?“, kam die gleichermaßen prompte wie unfreundliche Antwort. „Is mich aber auch scheißegal!“

Gunther zuckt leicht verlegen mit den Schultern, dann wechselt er schnell das Thema, bevor die Frau noch weiter auf der Frage herumreiten kann: „Aber sagen Sie mal, was war denn da gerade los? Ich habe zufällig irgendwas von ein paar Lichtern mitbekommen, die da nachts leuchten sollen? Muss ich mir Sorgen machen?“, fragt er in einem leicht verunsicherten Ton, der jedoch geschauspielert ist.

„Äh, die Lichter. Ja, äh, ab und zu inne Nacht leuchten da zwischen den Ruinen vonne alten Reihenhäuser Lichter auf. Mal in grün und dann auch wieder in weiß! Keine Ahnung wat dat is, sicher widder sonne Gruppe von Kriminellen, die nach verkaufsfähigen Dingen suchn. Abba, ich muss mich jetz um wat anderet kümmern. Tüsken auch!“ Mit diesen Worten dreht sie sich abrupt um und verschwindet im Hauseingang.

„Ja, Wiedersehen“, ruft Gunther ihr noch schnell hinterher, während er rasch seinen Fuß in den Spalt der Haustür steckt, bevor diese ganz zufällt.

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