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Die ersten sechs Monate Reichsverwaltung sind mittlerweile rum – Zeit, um ein kurzes Zwischenfazit zu den Regeln zu ziehen. Immerhin gibt es ein paar Dinge, die mir, so wie sie sind, nicht ganz gefallen – hier erst einmal zum größten Teil ohne Lösungsvorschläge …

Die Regel für die Steuereinnahmen ist mir wohl am sauersten aufgestoßen – sie besagt, dass man einen Wirtschaftswurf (das ist eines der Attribute eines Königreichs, wie immer bei Pathfinder gegen einen vorher festgelegten Schwierigkeitsgrad gewürfelt) ablegen muss und sich aus dem Ergebnis die Steuern berechnen, die das Reich einnehmen kann. Ein gescheiterter Wurf bedeutet hierbei, dass man überhaupt keine Steuern eintreiben kann, während bei einem gelungenen Wurf das Ergebnis dividiert durch drei den Steuereinnahmen in Baupunkten entspricht.

Beispiele: Zurzeit hat das Reich eine Wirtschaft von +16, und der entsprechende Schwierigkeitsgrad beträgt 25. Zeigt der Wirtschaftswurf also eine Zahl von 1 bis 8, gilt dieser als gescheitert und das Reich erzielt keine Einnahmen – und das mit einer Wahrscheinlichkeit von 40%! Eine gewürfelte 12 würde einen Wirtschaftswurf von 28 bedeuten, was durch drei geteilt (und abgerundet) Einnahmen in Höhe von 9 Baupunkten entsprechen würde.

Insgesamt sieht das tabellarisch so aus:

W20

Einkommen Wahrscheinlichkeit

1-8

0

40,00%

9-10

8 10,00%

11-13

9

15,00%

14-16

10

15,00%

17-19

11

15,00%

20 12

5,00%

Das mag für sich genommen eine akzeptable Regel sein, die Autoren haben sich wahrscheinlich etwas dabei gedacht, vielleicht hat es mit Balancing zu tun oder man möchte Herausforderungen für die Spieler schaffen, indem bei schlechter Wirtschaftslage das Geld extrem verknappt wird … keine Ahnung. Mein Problem damit ist: wie erkläre ich das In-Game? Wie erkläre ich den Charakteren (und ihren Spielern), dass in 40% aller Fälle überhaupt keine Steuereinnahmen fließen? Dass sich also in 40% der Fälle jeder Einwohner des Landes weigert, Steuern zu zahlen?

Dass in den anderen 60% der Fälle die Steuereinnahme zwischen 8 BP und 12 BP schwanken, damit kann ich leben und das ließe sich wirklich durch unterschiedlich starke Wirtschaftslage erklären.

Als unser Kämmerer das erste Mal seinen Wirtschaftswurf „vergeigt“ hat und keine Steuereinnahmen geflossen sind, habe die Spieler sofort nach dem „Warum?“ gefragt. Damals hatte ich noch geantwortet, dass der Kämmerer alleine unterwegs wäre, um die Steuern einzutreiben, und es einfach nicht schaffen würde, wodurch er im nächsten Monat „moralische“ Unterstützung durch den halborkischen Kämpfer Stryke, seines Zeichens General des Reiches, bekommen hat – und man diesem nicht unbedingt etwas abschlagen kann … Aber auf Dauer ist dies keine Erklärung, vor allem wenn das Reich erst einmal über mehrere Tausend Einwohner verfügt.

Des weiteren finde ich es etwas unglücklich gelöst, dass die Höhe des Besteuerungserlasses nur indirekt Einfluss auf die tatsächlich eingenommenen Steuern haben, sondern nur auf den Wirtschaftswert. So kann man die paradoxe Situation erschaffen, dass man „keine Steuern“ erhebt, aber trotzdem Steuereinnahmen generiert …

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass – wie es für Ausrüstung in Rollenspielen leider oft üblich ist – die Kosten von Gebäuden direkt von Ihrem Nutzen abhängen und nicht vom tatsächlichen Aufwand, der betrieben werden muss, um das Gebäude zu errichten.

Ein schönes Beispiel ist hier der Marktplatz, der mit Kosten von 48 BP (also in den Anfangsjahren eines Reiches umgerechnet 48.000 GM) zu Buche schlägt, obwohl man hier im Grunde genommen zwei Grundstücke freiräumen, planieren und mit ein paar einfachen, hölzernen Verkaufsständen versehen muss. Im Gegensatz dazu kostet die Errichtung einer Stadtmauer, die ein paar Meter hoch, ggf. sogar ein paar Meter dick und aus solidem Stein erbaut wurde, nur 2 BP, also umgerechnet etwa 2.000 GM.

Ein Marktplatz gibt dafür auch +2 auf Stabilität und +2 auf Wirtschaft, erhöht die Verfügbarkeit von Waren in der Stadt um 2.000 GM, bietet Verkaufsslots für zwei schwache wundersame Gegenstände und vergünstigt den Bau eines Gasthofs, eines Ladens und eines Schwarzmarktes. Die Stadtmauer? Die gibt „nur“ +2 auf Verteidigung.

Ich denke, hier werde ich einige Preise anpassen, so dass ein guter Kompromiss aus Nutzen für das Reich und tatsächlichem Aufwand entstehen wird …

Was mir in diesem Zusammenhang auch nicht gefällt ist die Tatsache, dass neue Gebäude quasi sofort zur Verfügung stehen und ihren Benefit bereits bei der nächsten Königreichsrunde, also im nächsten Monat, zur Verfügung stellen. Dabei ist es egal, ob es sich um einfache Hütten, einen Laden oder einen Marktplatz, die Stadtmauern oder gar eine Kathedrale handelt – alles hat eine Bauzeit von einem Monat. Das finde ich – auch wenn man so etwas wie die allgegenwärtige Magie in einem High-Fantasy-Setting mit einrechnet – doch sehr sportlich. Dass man mit vereinten Kräften einen Laden oder ein Wirtshaus innerhalb eines Monats „hochziehen“ könnte, mag ja noch angehen, aber eine ganze Burg oder eine Kathedrale?

Ich hatte mir überlegt, die Bauzeit abhängig von der Größe oder den Baupunkten zu machen, da sich das aber leider nicht pauschalisieren lässt, muss ich hier aber noch mal im Detail in mich gehen …

Was ich bereits geändert habe ist die Faustregel, dass eine Ortschaft 250 Einwohner pro gefülltem Häuserblock besitzt. Dies fand ich viel zu viel und außerdem eher unrealistisch – so hätte Hauerburg bereits nach einem Monat 500 Einwohner gehabt, da die Spieler ein Wirtshaus und ein Wohnhaus errichtet hatten. Jetzt, nach 6 Monaten und 9 bebauten Feldern, hätte Hauerburg bereits 2.250 Einwohner. Ich finde diese Zahl um einiges zu hoch gegriffen!

Ich habe diese Zahl auf 100 Einwohner pro bebautes Feld reduziert, so startete Hauerburg im ersten Monat immerhin noch mit 200 Einwohnern und hat jetzt 900 Bewohner, was ich nach sechs Monaten immer noch viel finde (immerhin – wo kommen die ganzen Leute plötzlich her?).

Ich werde in den nächsten sechs In-Game-Monaten mal an der einen oder anderen Stellschraube drehen und hier ein wenig verhausregeln – was davon geklappt hat und was nicht, gibt es dann als Fazit nach dem ersten Jahr mit Regierungsgeschäften zu lesen.

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