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Puh, da muss ich erst die Mitte Vierzig hinter mir lassen, bevor ich „Alter Sack“™ (mit 32 Jahren Pen&Paper-Erfahrung) es mal auf ein LARP schaffe. So also zog es mich samt Familie Anfang Juni ins Sauerland auf einen von der evangelischen Kirche(!) organisierten, für Anfänger geeignetes LARP ins Sauerland. Demzufolge war auch die Größe schön überschaubar – vielleicht 35 40 SC und eine Handvoll NSC.

Leider muss ich sagen, dass mich das Ganze eher zwiegespalten zurücklässt. Direkt an besagtem Wochenende hatte ich noch ein klares „Nie wieder“ von mir gegeben – jetzt, mit einigen Wochen Abstand, würde ich dem Ganzen zumindest irgendwann vielleicht noch mal eine zweite Chance geben, weil viele Punkte, die ich negativ kritisiert hatte, vielleicht auch ein wenig in die Kategorie „Selbst Schuld“ fallen: einfach, weil man nicht wusste, worauf man achten muss.

Es ist halt immer ein wenig das Problem, wenn man als Anfänger (trotz der Ausrichtung des LARP) zu einer Gruppe hinzukommt, in der alle anderen schon mehr Erfahrung haben. Zwar hat uns die Spielleitung am Anfang ein wenig an die Hand genommen, uns ein paar Dinge grundlegende Dinge erklärt und uns auch ein ganz klein wenig rudimentären Schwertkampfunterricht gegeben, aber als es dann anfing, wurden wir halt ins kalte Wasser geschmissen. Und da wusste in ich manchen Situationen halt nicht so genau, wie ich jetzt reagieren sollte oder was man von mir erwartet. Das hatte mich eigentlich ein wenig verwundert, hatte ich doch gedacht, meine Erfahrungen im P&P einfach auf diese Spielweise übertragen zu können. Irgendwie war dem aber nicht so …

Was ich sehr gewöhnungsbedürftig finde: Ein LARP läuft nun mal in Echtzeit ab. Wenn in einem Pen&Paper-Abenteuer nichts passiert, dann überspringt man diesen Part eben mit dem berühmten Satz „es passiert nichts“ und springt zur nächsten relevanten Szene. Wenn in einem LARP nichts passiert, dann passiert halt nichts. Dann sitzt man halt schon mal eine Stunde einfach nur herum, weil die Spielleiter gerade mit anderen Gruppen beschäftigt sind. Da muss man dann wohl Eigeninitiative ergreifen und sich (natürlich alles in-character) mit anderen Spielern unterhalten oder selbst irgendwas „anzetteln“, was ich als Anfänger schwierig fand – zumal ich mir für den Anfang einen sehr einfachen SC zurechtgelegt hatte: einen ehemaligen Gutsverwalter, der auf der Suche nach „etwas eigenem“ seinen alten Lehnsherrn verlassen hatte und mit dem wenigen Gesparten, Weib und Kind jetzt auf der Suche nach einem eigenen Stück Land war. Da konnte ich dann auch nicht stundenlang drüber schwadronieren.

Wenn dann aber wieder etwas passiert, dann muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Es ist uns mehrmals passiert, dass wir uns gefragt haben, wo denn alle sind – und schon hatten wir wieder was vom Plot verpasst. Leider sammelten die Spielleiter einen nicht ein – wenn es weitergeht, da muss man schon selbst dafür sorgen, dass man aufpasst (da sind wir vielleicht vom Pen&Paper etwas zu verwöhnt). Dadurch haben wir aber leider so viel verpasst, dass zumindest ich es am frühen Samstagnachmittag so total langweilig fand, dass ich auf eigene Faust eine halbe Stunde im Wald spazieren war. Dummerweise habe ich dadurch den Plot nicht durchschaut, was dann wieder dazu geführt hat, dass ich nicht wusste, was ich tun sollte, usw. Die „Profis“ waren da etwas besser in der Geschichte drin und ich habe mich immer wieder gefragt, woher zum Kuckuck sie jetzt dies schon wieder wissen oder das schon wieder haben … Aber wie gesagt, wahrscheinlich eher „Selbst Schuld“.

Zwischendurch gab es dann noch ein Rätsel, das eines der Kernpunkte der Geschichte war, aber eigentlich nur durch Zufall gelöst werden konnte – was das Rumprobieren langwierig und damit im Endeffekt auch langweilig machte. Aber das ist keine Kritik am LARP im allgemeinen, so ein Rätsel hätte man auch in einer Pen&Paper-Runde „verbocken“ können.

Nichtsdestotrotz – als es dann zum großen Finale kam, war ich so sehr neben dem Plot, dass ich nur noch vom Rand aus zugeschaut habe.

Hinzu kam, dass ich Zelten hasse. Ich habe versucht, zwei Tage lang auf einer Klappmatratze auf dem Boden zu schlafen, wusste aber nach gefühlten zwei Stunden schon nicht mehr, wie ich auf diesem Ding liegen sollte. Dazu war es zumindest am Freitagabend stickig heiß im Zelt, während draußen gefühlt bis 4 Uhr morgens die Party weiter lief. Am Samstagabend hat es dann aus Kübeln geschüttet (zum Glück nachdem wir schon ins Zelt gegangen waren), aber trotzdem war drinnen irgendwie alles klamm und an Schlaf bei Blitz, Donner und Platzregen ist auch nicht zu denken. Dementsprechend gerädert war ich am Sonntag und habe mich wie ein 80jähriger aus dem Zelt gequält.

Aber, um auch mal was Positives zu sagen: die Versorgung war gut und die allgemeine Stimmung ebenfalls.

Was mich (auch auf Cons oder der SPIEL) aber immer wieder total begeistert, das sind die Gewandungen, die sich einige Leute zusammenbasteln und -sammeln. So war zum Beispiel eine dabei, die komplett aus Zwergen bestand und die wirklich genial aussahen. Sie hatten sogar noch einen Steinling dabei, der einen „Anzug“ aus aufgeschäumten PU-Schaum (oder so etwas in der Art) trug, der mit brauner Farbe besprüht war. Sah echt genial aus, obwohl der Typ darunter bei der Hitze am Samstag wohl eingegangen sein muss. Dazu noch ein paar andere, geniale Gewandungen – in Summe zu viele, um sie einzeln aufzuzählen.

Also in Summe mehr negative als positive Eindrücke. Da ziehe ich ein gemütliches Wochenende mit Freunden und ein paar gepflegten Runden Pen&Paper definitiv vor. Nichtsdestotrotz sollte man dem Ganzen vielleicht doch noch mal eine zweite Chance geben, weil ich jetzt ja weiß, worauf ich zu achten hat. Irgendwann. Aber sicherlich nicht mehr dieses Jahr …

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