Doctore Domanis Archive

[1W100 Random Blog Encounters] Frage 11 oder: ein Blick in die Kristallkugel

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Gelbe Zeichen hat auf seinem Blog zu einer – wie ich finde – spannenden Blog-Aktion namens 1W100 Random Blog Encounters aufgerufen, in der er 100 Fragen zum Thema Bloggen und Rollenspiel stellt. Ich werde wahrscheinlich nicht alle dieser Fragen beantworten, aber ab und zu möchte ich mir die eine oder andere herauspicken – und während ich bei der Bearbeitung der Blog-O-Quest diesen Monat noch den Würfel entscheiden ließ, habe ich mir jetzt die Liste mal komplett durchgelesen. Hängengeblieben bin ich dann bei Frage 11, die ein interessantes Gedankenspiel ist:

 

Wo siehst du dich in 10/20 Jahren? Wirst du immer noch spielen? Wie wird sich das Spielen deiner Meinung nach innerhalb dieser Jahre verändern?

Was mir dabei als erstes durch den Kopf schoss: Ich bin jetzt Mitte vierzig, in 10 Jahren also Mitte fünfzig und in 20 Jahren gar Mitte sechzig! Werde ich dann tatsächlich noch Rollenspiele spielen?

Wie es der Zufall so will, räume ich gerade mein Arbeitszimmer auf und habe viele der alten Sachen, die ich in der Vergangenheit gespielt habe, gerade wieder in der Hand gehabt. Das gibt mir die Gelegenheit, mit einem kleinen Rückblick anzufangen:

1998 – vor 20 Jahren war ich gerade im letzten Drittel meines Studiums. Wir hatten ziemlich viel Zeit zum Spielen und – wenn ich mir das Material von damals angucke – noch mehr Zeit zum Vorbereiten. Die Abenteuer waren selbstgeschrieben und so ausformuliert, wie man es teilweise von gekauften Produkten her kennt (und die auch jetzt teilweise noch Spaß machen, zu lesen). Dazu kamen ausgearbeitete Hintergrundinformationen für die Spieler und allerlei anderes Material. Wir spielten teilweise drei Kampagnen parallel mit unterschiedlichen Leuten und man kam im Schnitt sicherlich auf eine Runde alle zwei Wochen.

2008 – vor 10 Jahren bin ich regelmäßig zum Arbeiten ins Ausland gependelt, hatte also eher weniger Zeit für Vorbereitungen. Viele Mitspieler aus meinen Gruppen hatten in der Zwischenzeit ebenfalls ihr Studium beendet, hatten Arbeit gefunden, eine Familie gegründet und/oder waren weggezogen. Eine Stammgruppe blieb übrig, die traf sich (und trifft sich immer noch) nur einmal im Quartal. Vorbereitung wurde zur lästigen Pflicht, die kurz vor knapp erledigt und meistens irgendwie „dahingeschludert“ wurde. Wenn ich mich überhaupt mit Rollenspiel beschäftigte, dann eher auf einer „Meta-Ebene“ anstatt mit Vorbereiten oder Spielen. Fast hätte ich das Hobby aufgegeben.

2018 – heute hat Rollenspiel wieder einen hohen Stellenwert in meinem Leben. Dank Internet, google Hangouts und roll20 spiele ich wieder so häufig, wie zuletzt zu Schulzeiten – im Schnitt einmal pro Woche und wieder parallel in drei Kampagnen. Statt sich am Tisch zu treffen, trifft man sich jetzt eben im Internet, was einem erlaubt, auch mit Leuten zu spielen, die weiter weg sind – ich denke, dies ist ein Trend, der sich in Zukunft noch verschärfen wird. Das Tief hat mir ein wenig dabei geholfen, mir über ein paar Dinge Gedanken zu machen und hat insbesondere die Art und Weise, wie ich Spielsitzungen und Abenteuer vorbereite, komplett geändert.

2028 – Zwei meiner Mitspieler haben Kinder, die jetzt ungefähr so alt sind, wie meine Tochter in 10 Jahren sein wird. Beide haben es geschafft, ihre Kinder mit dem Rollenspielvirus zu infizieren und haben private Familienrunden. Einer meiner Mitspieler ist jetzt ungefähr so alt, wie ich in 10 Jahren sein werde. Beides gibt mir natürlich Hoffnung. Außerdem benötigen wir mindestens noch fünf Jahre, bis wir unsere Königsmacher-Kampagne beendet haben, und das ist ja dann auch schon der halbe Weg dorthin … Ich setze mir mal für den 25. Januar 2028 einen Merker im Kalender und schreibe dann mal, was sich getan hat!

2038 – in 20 Jahren bin ich wie gesagt Mitte sechzig. Die Rente ist durch (oder so gut wie), die Tochter aus dem Haus (hoffentlich), also eigentlich müsste man dann wieder viel Zeit haben, oder? Aber wenn ich mir die Entwicklung der IT in den letzten 20 Jahren vor Augen halte, die sich höchstwahrscheinlich in den nächsten 20 Jahren noch einmal exponentiell beschleunigen wird, kann ich mir gar nicht ausmalen, wie man 2038 Rollenspiele spielt. Virtuelle Welten und Augmented Reality gehören dann sicherlich schon zum Alltag. Kann man dann virtuell mit seinem Charakter verschmelzen und dessen Abenteuer quasi „hautnah“ miterleben? Kann man sich die Erinnerungen seiner Figur ins Gehirn pflanzen lassen, so à la Total Recall? Ist der Spielleiter (oder sind die Mitspieler) gar keine Menschen mehr, sondern Künstliche Intelligenzen? Oder geht so etwas wie Phantasie komplett verloren, weil wir nur noch von allen Seiten „zugedröhnt“ werden und nur noch konsumieren? Ich hoffe nicht! Ob ich in 20 Jahren wirklich noch spielen werden, weiß ich jetzt nicht zu beurteilen. Aber wenn, dann werden wir wahrscheinlich zu den „ewig Gestrigen“ gezählt, wenn wir uns mit Freunden um den Küchentisch versammeln, unsere W20 herausholen und in unserer Phantasie ein paar Orks klatschen.

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