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Gunther blättert durch das altmodische Notizbüchlein. Er stellt fest, dass es außer Namen wie z.B. Toto, Grinsch oder Mack – was im Grunde genommen eher Spitznamen oder Pseudonyme sind – und eine jeweils dazugehörige Zahlenfolge nichts wirklich Informatives enthält. Die Zahlen scheinen einen Code zu bilden, jedoch erschließt sich dem Zwerg auf den ersten Blick keine logische Erklärung.

Resigniert wirft Gunther das Notizbuch zurück auf den Schreibtisch. Anstatt Antworten auf seine Fragen zu bekommen findet er hinter jeder Ecke neue Rätsel und Merkwürdigkeiten, die er nicht zu deuten weiß. Er bleibt noch einen Moment nachdenklich sitzen, dann beschließt er, trotzdem erst einmal mit der Bestandsaufnahme fortzufahren, bevor er sich daran macht, die Puzzlestücke zu analysieren. Er setzt sich auf, als sein Blick wieder auf den Aschenbecher fällt. Mit spitzen Fingern holt er die Überreste des verbrannten Papiers aus dem Ascher, breitet es vorsichtig vor sich aus und macht sich bereit, das nächste Rätsel zu finden:

„Heute Abend 20 Uhr im alten Sudhaus, Fichetti nicht vergessen!“, kann Gunther auf dem verbrannten Zettel noch entziffern. Ein neues Rätsel, wohl ein Termin, vielleicht der letzte Termin dieses Greg?

„Wer oder was ist denn jetzt schon wieder Fichetti?“, murmelt Gunther fast schon etwas angenervt zu sich selbst. Schnell kopiert er die Information vom Zettel zu den anderen Fundstücken in seine Kommlink-Datenbank, die er mit einem Schmunzeln auf den Lippen in „Der mysteriöse Greg“ umbenennt. Etwas behäbig steht er auf und geht zum Bochumer Stadtplan hinüber, um sich anzugucken, wo denn die Fähnchen stecken. Vielleicht gibt es ja ein Muster oder eine Art Schema zu entdecken, oder etwas, was zu den anderen Informationen oder den Notizen passt.

Er sieht, dass insgesamt acht rote, sechs blaue, drei gelbe und ein schwarzes Fähnchen in dem Stadtplan stecken. Schnell verschafft sich Gunther einen Überblick – die Roten stecken an folgenden Punkten oder Straßen:

  • Auf den Holln
  • Containerbahnhof
  • Ehemaliges Knappschaftskrankenhaus – jetzt durch Erweiterungen zum Saeder-Krupp Medical Center umbenannt
  • Friedhof Stiftstraße
  • Gelände des ehemaligen Opelwerks II
  • Hauptstraße
  • Langendreer Holz
  • Ümminger See

Die Blauen:

  • Hauptbahnhof
  • Kemnader See
  • Rhein-Ruhr-Universität, Komplex Bochum
  • Stadtpark
  • Stahlwerke Alleestraße
  • Tippelsberg

Die Gelben:

  • JVA Krümmede
  • Rathaus
  • Zollamt Großmarkt, hinter der Fiege Brauerei

Das Schwarze:

  • Bergbaumuseum

Sollte es wirklich einen Zusammenhang zwischen den Notizen, dem Code und diesen Fähnchen geben, wovon Gunther mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeht, ist er selbst nach eingehender Musterung nicht sofort erkennbar. Gunther steht vor der Karte wie der berühmte Ochs vor dem Berg und weiß nicht weiter. Überdeutlich befinden sich alle roten Fähnchen im Stadtteil Langendreer, wo sich auch die Sonnenleite befindet, aber das ist auch der einzige Zusammenhang, den er spontan erkennen kann. Etwas überfordert pustet er aus: „Information Overload“.

Fast schon ängstlich dreht er sich zu dem Regal um, welches mit Aktenordnern und Gegenständen überfrachtet ist. Ob darin Informationen zu finden sind, die ihm weiterhelfen können? Er weiß bloß nicht genau, wo er anfangen soll, zu suchen …

Die Ordnerrücken geben dem Zwerg auf jeden Fall schon mal einen kleinen Ein, oder besser gesagt: Überblick, um was es sich wohl handeln könnte. Alle Ordner haben ein großes Thema: Bochum und seine einzelnen Stadtteile, und beinhalten augenscheinlich Grundrisse und ähnliche Pläne!

Gunther schlägt wahllos einen der Ordner auf, und beim Überfliegen der Zeilen erkennt er unterschiedliche Datumsangaben, die alle schon mehr als 50 Jahre alt sind. Dieser Greg hatte wohl nicht nur eine merkwürdige Vorliebe für diese Zeit, sondern auch sehr gute Beziehungen, so dass er hier augenscheinlich wichtige Unterlagen sammeln konnte, bevor diese nach einer elektronischen Archivierung entweder eingemottet oder gar vernichtet wurden …

Gunthers Gehirnwindungen laufen auf Hochtouren – warum sammelt jemand Grundrisse, die über fünf Jahrzehnte alt sind? Zuerst kommt es ihm in den Sinn, dass Greg der Chef einer Einbrecherbande gewesen sein könnte, aber dafür sind die Pläne zu alt. Viele der Gebäude, die 2022 noch standen, existieren wahrscheinlich gar nicht mehr oder sind im Laufe der Zeit viel zu häufig umgebaut worden, als dass die Pläne für einen Einbrecher noch von Nutzen wären. Von den Sicherheitsvorkehrungen, die seit dieser Zeit erfunden wurden und neu hinzugekommen sind, ganz zu schweigen …

Gunther wird aus all dem nicht schlau, je weiter er sich im Raum umsieht, desto größer werden die Fragezeichen über seinem Kopf.

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