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[<==back: Prolog, Teil 1]

Gunther tippt die Zahlenkombination in das selbstgebaute elektronische Türschloss, welches dies zuerst mit einem freundlichen Piepsen quittiert um anschließend mit einem satten Klicken aufzuspringen. Sein blonder Bart wippt vor Aufregung, als er die Tür einen Spalt öffnet, die jedoch immer noch von einer Vorlegekette aus bestem Saeder-Krupp-Stahl gehalten wird. Gunther richtet seinen Blick nach oben auf das Gesicht des Mannes, dann blickt er an ihm vorbei auf den Phaeton: „Was soll der Gorilla?“, fragt er argwöhnisch. „Nun, es sind gefährliche Zeiten, und da sollte man auf seine eigene Sicherheit achten!“, antwortet der Anzugträger. Er deutet in Richtung des Gorillas und ergänzt lapidar: „Sie sollten sich darüber keine Gedanken machen, denn er wird beim Wagen auf mein Zurückkommen warten. Aber vielleicht sollten wir Drinnen weiter reden?!“ Zwar ist es Gunther schon ein wenig mulmig bei dem Gedanken an den bewaffneten Leibwächter, aber aus irgendeinem Grund vertraut er der Erklärung des Anwaltes – ja, sie leben in unruhigen Zeiten. Oder ist es doch eher die Neugier auf den Koffer? Hastig stopft er seine Pistole in den hinteren Hosenbund und schlägt den Pullover darüber, dann zieht er die Kette weg und öffnete die Haustür. Jetzt endlich kann er sein Gegenüber näher betrachten: Seine streng zurückgekämmten Haare glänzen ein wenig vor Gel, sein Gesicht ist makellos rasiert und auch Hände und Fingernägel sind äußerst gepflegt. Der Anzug hat sicherlich ein kleines Vermögen gekostet, die Schuhe ebenfalls, und auch die Aktentasche scheint nicht aus Syntleder zu bestehen. Der Anwalt schaut Gunther aus grau-grünen Augen an, und als er sich gerade leicht bückt, um an seiner Aktentasche herumzunästeln, kann der Zwerg eine Datenbuchse links an seinem Hals erkennen. „Sicherlich werden sie sich jetzt fragen, was ich von ihnen möchte. Dr. Pájaros ist leider verhindert, und so habe ich diesen Vorgang übernommen. Um mich zu autorisieren, hier meine ID!” Mit diesen Worten zeigt er Gunther eine Art Visitenkarte mit einem Bild von ihm, ein paar Nummern, einem Hologramm und seinem Namen. Außerdem kann Gunther noch ein Symbol erkennen, welches ihm aus den Trideo-Spots bekannt vorkommt und augenscheinlich das Firmenzeichen der Kanzlei Pájaros & Meyer darstellt. Abramtzek legt seine Aktentasche leicht angewidert auf den dreckigen Küchentisch, nicht ohne vorher mit einem Taschentuch die Oberfläche grob von Dreck und Krümeln befreit zu haben. „Ich bin hierhergekommen, um ihnen diesen Umschlag zu übergeben“, fährt er mit seinen Erklärungen fort. „Zuvor möchte ich aber gerne wissen, ob sie wirklich Gunther Tannberg sind.“ Mit diesen Worten holt er einen Scanner aus seiner Tasche und hält ihn Gunther hin. „Natürlich“, murmelt dieser geistesabwesend, während er den Ärmel seines abgewetzten Kapuzenpullis hochschiebt, um an das Kommlink an seinem Handgelenk zu gelangen. Schnell hat er das Gerät so eingestellt, dass es seine SIN drahtlos an den Empfänger des Anwaltes übertragen kann – eine Funktion, die er normalerweise deaktiviert hat –, dann drückt er seinen Daumen auf die glatte Oberfläche des Scanners. Ein hektisches gelbes Blinken zeigt an, dass dieses gerade die Verbindung mit dem Zentralrechner aufbaut, um seine Identität zu prüfen und seinen Fingerabdruck mit der SIN abzugleichen. Unwillkürlich hält Gunther den Atem an; er hat zwar eigentlich nichts zu befürchten, denn seine SIN ist echt, aber trotzdem macht ihn dieser Vorgang jedes Mal nervös. Eine gefühlte Ewigkeit später wechselt das Blinken in ein beständiges, beruhigendes Grün und der Scanner piept. Gunther atmet erleichtert aus. „Was für ein Umschlag?“, fragt er neugierig. Unbeirrt von Gunthers Frage fährt der Anwalt fort: „So, nachdem wir alle Formalitäten erledigt haben, hier der Umschlag!“ Mit diesen Worten reicht er Gunther einen großen, grauen, aus Recyclingpapier hergestellten Umschlag herüber. Dieser ist relativ dick und schwer, vermutlich befinden sich mehr als nur ein paar Unterlagen in ihm. „Wenn Sie mir bitte hier unten noch den Empfang quittieren würden!“ – er hält Gunther ein Pad unter die Nase und weist auf eine Linie hin, die sich am unteren Bildschirmrand befindet. Etwas verblüfft über die altbackene Technik zieht Gunther den kleinen Plastikstift aus der Seite des Pads und kritzelt seine Unterschrift auf die Linie. „Von wem ist denn der Umschlag? Ich sehe gar keinen Absender …“, fragt er neugierig, während er den Stift in die Halterung zurücksteckt. Prüfend schaut Abramtzek auf das Pad, und Gunther meint, ein Lächeln über seine Lippen huschen zu sehen. Schnell packt er das Pad wieder in die Aktentasche, schließt diese und klemmt sie sich unter den Arm. „Somit ist meine Aufgabe hier beendet!“, sagt er etwas hektisch, wie Gunther zu glauben scheint. Dann begibt er sich in Richtung Haustür: „Äh, von wem der Umschlag ist? Tut mir Leid, aber ich bin nur der Überbringer. Sicherlich wird der Inhalt des Umschlags eine Antwort darauf geben. Wenn sie mich jetzt entschuldigen würden. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag.“ Schnellen Schrittes geht er die Gasse zurück zu seinem Wagen und dem wartenden Gorilla.

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