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Ich muss ehrlich gestehen, ich weiß gar nicht mehr genau, wie er hieß (ich glaube Frank), denn ich habe nur einmal mit ihm gespielt, und das ist ziemlich genau 20 Jahre her. Ich hatte zu Bundeswehrzeiten einen Kameraden mit Rollenspielen angefixt, der hat dann über drei Ecken eine Gruppe in seiner Heimatstadt (Arnsberg) ausfindig gemacht und mich mitgenommen.

Gespielt wurde die erste Edition von AD&D, wenn ich mich recht entsinne. Los ging es irgendwann gegen Abend, aufgehört haben wir, als bereits die Sonne schon wieder schien. Dazwischen lagen 12 Stunden permanente Konzentration und Anspannung, ich war schweißgebadet und mental so fertig, als hätte ich eine zwölfstündige Klausur an der Uni geschrieben. Dies lag vor allen daran, dass die anderen Charaktere zwar höherstufiger waren als mein gnomischer Illusionist der 1. Stufe, ich aber bei weitem die größte Erfahrung mit Rollenspiel, dem Regelwerk und dem allgemeinen Drumherum hatte. So musste mein armer Gnom den anderen regelmäßig aus der Patsche helfen, und am Ende ging es dann sogar noch gegen einen leibhaftigen Dämon!

Etwas merkwürdig fand ich zwar noch die Regelung, dass man Gegenstände, welche der Illusionist mittels eines Trugbildes geschaffen hatte, wirklich verwenden konnte – dass man mit der Illusion eines Bootes also tatsächlich einen Fluss überqueren konnte — aber das nur am Rande.

Warum ich ihn für den besten Spielleiter halte, liegt zum einen natürlich an der Spielsitzung, die schon mit zu einer der besten gehörte, an der ich teilnehmen durfte. Ein anderer Grund ist mir erst viele Jahre später aufgegangen: er hatte kein Abenteuer vorbereitet! Er hatte eine riesige (selbstgemalte!) DIN-A2-Karte auf seinem Spielleitertisch liegen, in der einzelne Bereiche mit Nummern versehen waren. Er hatte Begegnungen und Schauplätze ausgearbeitet und sich grob überlegt, wie diese zusammenhängen könnten. Er hat die SC in eine Stadt gesetzt, zwei oder drei Abenteueraufhänger in den Raum geworfen und dann die Spieler machen lassen. Damals hatte ich, der nur von A‑Z „durchdesignte“ Abenteuer kannte, dies als etwas „befremdlich“ empfunden. Erst Jahre später ist bei mir der Groschen gefallen.

Randnotiz: Die Gruppe hatte rollierende Spielleiter. Ich habe ein paar Wochen später noch einmal mitgespielt, von diesem Abend hätte ich berichtet, wäre nach dem schlechtesten Spielleiter oder dem schlechtesten Spielabend gefragt worden. So nah liegen Licht und Schatten manchmal beisammen …