Schlagwörter

, ,

Ja, hatte ich, einen ziemlich langen sogar. Aber bevor ich näher darauf eingehe, ganz kurz zu Frage 27, die ich gestern nicht beantwortet hatte: „Hat Rollenspiel bei Dir schon mal zu einer Beziehung geführt?“ Die war mir dann doch fast ein wenig zu persönlich, aber wer hier regelmäßig mitliest, dem mag aufgefallen sein, dass meine Frau auch spielt. Das muss als Antwort genügen …🙂

Ich überlege gerade, wann es wirklich mit meinem Burnout angefangen hat, denn es war ein eher schleichender Prozess, es muss aber so um 2008 herum gewesen sein. Es begann damit, dass ich immer weniger Lust hatte, etwas vorzubereiten. Zwar wurden immer noch regelmäßige Spieltermine (heißt bei uns: einmal in drei Monaten) auch weit im Vorfeld (heißt bei uns: vier bis sechs Wochen vorher) festgelegt, ich hätte also genug Zeit gehabt, etwas vorzubereiten. Im Endeffekt wurde dann aber erst ein bis zwei Abende vor dem Termin „schnell“ etwas „zusammengezimmert“, oder ich versuchte, ein altes Abenteuer aus einer meiner alten Kampagnen zu recyceln. Meist passte dies dann nur bedingt in den Kontext der Kampagne, d.h. es wurde eine zusätzliche Nebenhandlung eröffnet und neue Elemente in die Kampagne eingeführt, die dann aber in der folgenden Spielsitzung oder im nächsten Abenteuer nicht wieder aufgenommen wurden, da dieses ja ebenfalls schnell zusammengezimmert wurde. So wurden immer und immer mehr Elemente in die Kampagne eingeführt, die nicht weiterverfolgt wurden, immer mehr Nebenhandlungen eröffnet, die nicht abgeschlossen wurden, die Kampagne zerfranste immer weiter und hatte sich mittlerweile sehr stark von ihren roten Faden entfernt. Ich war kampagnenmüde und auch systemmüde, hätte am liebsten alles hingeworfen und, wenn überhaupt, etwas neues angefangen – ein anderes System und/oder einfach eine Aneinanderreihung von Abenteuern, die aber nicht durch einen roten Faden verbunden sind. Beides wurde aber vehement von meinem Spielern abgelehnt. Vielmehr boten sich zwei an, auch mal zu leiten, was aber im Endeffekt doch nie passiert ist.

Herausgeholt aus dem Burnout hat mich ausgerechnet mein Smartphone, das muss so Mitte 2010 gewesen sein. Ich entdeckte eine App zum Abonnieren und Abspielen von Podcasts und fragte mich, ob es wohl auch Podcast zum Thema Rollenspiel gäbe. So wurde ich auf den PiCast und auf System Matters aufmerksam, die ich dann auf dem Weg zur Arbeit und zurück nach Hause hörte, und mir aufgrund dessen wieder verstärkt Gedanken über Rollenspiel machte. Ich besorgte mir ein paar Bücher zum Thema Spielleiten, obwohl ich mich für einen alten Hasen hielt, und begann damit, meine komplette Vorgehensweise zum Vorbereiten von Spielsitzungen über den Haufen zu werfen. 2011 habe ich dann für ein Jahr lang im Ausland gearbeitet, hatte also viele Abende im Hotel, um meine alte Kampagne zu entschlacken: alte Zöpfe und lose Handlungsfäden wurden abgeschnitten, die gesamte Kampagne wurde an einen anderen Ort verlegt, das Regelsystem durch ein paar Hausregeln entschlackt und ordentlich NSC und Schauplätze vorbereitet, um besser improvisieren zu können. Seit gut zwei Jahren spiele ich jetzt mit dem neuen Konzept und es macht mir wieder eindeutig mehr Spaß, als vor oder während des Burnouts.

Fazit: es macht ab und zu durchaus Sinn, seine alteingesessenen Vorgehensweisen zu hinterfragen und mal alles über den Haufen zu werfen, um frischen Wind in eine eingefahrene Sache zu bringen.