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Wenn ich so an meine Karriere als Spieler zurückdenke, kann ich mich gerade nicht daran erinnern, dass einer meiner wenigen Charaktere jemals gestorben wäre. Deshalb beantworte ich die Frage doch mal aus Sicht des Spielleiters – wodurch sich wahrscheinlich auch Rückschlüsse darauf ziehen lassen, wie ich als Spieler mit einem toten Charakter klarkommen würde.

Erstens einmal kommt es ganz darauf an, was (oder besser: wie) wir spielen: Wenn wir nur etwas ausprobieren wollen oder aus einem anderen Grund klar ist, dass wir nur ein paar Spielsitzungen mit einem System oder einem Setting verbringen, dann habe ich auch kein Problem damit, wenn Charaktere sterben. Immerhin gehört das Ausloten der Tödlichkeit eines Systems mit zum Ausprobieren dazu (siehe auch unseren TPK bei Dungeonslayers).

Plant man hingegen eine lange Kampagne, die vielleicht sogar über mehrere Jahre laufen soll, so möchte ich meinen Spielern schon erlauben, diese mit nur einem Charakter durchzuspielen. Dieser soll an den Aufgaben ja auch wachsen (nicht nur im regeltechnischen Sinne), sich in das Gefüge der Welt eingliedern und auch von den Konsequenzen erfahren, die seine Aktionen haben. Daher habe ich immer ein wenig Skrupel, einen solchen Charakter zu töten. Ich fände es schade, wenn der Spieler aus der laufenden Geschichte herausgerissen wird und quasi bei null wieder anfangen muss.

Natürlich lässt sich dies nicht immer vermeiden (es sei denn durch Schummeln oder Würfeldrehen, aber das mache ich nicht), manchmal treffen halt schlechte Entscheidungen des Spielers mit großem Würfelpech zusammen, und dann ist es passiert. Das bringt mich zum zweiten Punkt – dass es auch darauf ankommt, wie (oder besser: wofür) der Charakter stirbt. Wenn sein Tod irgendwie sinnlos erscheint (er fällt in eine Fallgrube und bricht sich das Genick, oder er wird nachts von ein paar Strauchdieben erdolcht, weil er nicht schnell genug aufgewacht ist), finde ich das selbst als Spielleiter sehr unbefriedigend, insbesondere wenn die Kampagne schon zur Hälfte gespielt, der Charakter schon einiges erreicht und in der Geschichte verwurzelt ist.

Stirbt ein SC hingegen in einem Kampf, bei dem es auch um etwas geht, oder lässt er beim Vollbringen einer heroischen Tat sein Leben, dann kann ich als Spielleiter das schon eher verschmerzen (ob das dem Spieler des verstorbenen Charakters genauso geht, sei dahingestellt). Trotzdem bleibt der Charaktertod ein tiefer Eingriff in eine langlebige Kampagne, so dass ich ihn zu verhindern suche.

Eine Anmerkung noch: Obwohl wir D&D spielen, wo es ja laut Regelwerk Wiedererweckungen gibt, ist der Charaktertod bei mir endgültig, die entsprechenden Zaubersprüche habe ich abgeschafft. Dafür gibt es auf der anderen Seite allerdings auch keine Save-or-Die-Effekte mehr, so dass ein Charakter nicht aufgrund eines einzigen, misslungenen Rettungswurfes sterben kann. Warum das?

In unserer ersten D&D-Kampagne hatten wir irgendwann zwei hochstufige Kleriker in der Gruppe, welche beide Tote Erwecken beherrschten. Damit nahm das Bedrohungspotential jeder Begegnung drastisch ab. Die Charaktere mussten nicht mehr taktisch agieren und überlegen, einfach „alles drauf auf den Gegner“, und wer es nicht schaffte, wurde wiedererweckt …

Zum anderen zerstören Wiedererweckungen meiner Meinung nach viele Plots und Handlungsbögen der Kampagnenwelt – „Was? Der Anführer des mächtigsten Ritterordens des Landes ist hinterrücks ermordet worden, es entbrennt ein Streit, wer den Orden weiter führen darf, und dass obwohl die Armee des Feines vor den Toren steht? Schnell, holt einen Priester, der ihn wiederbeleben kann!“