Schlagwörter

, , , , ,

Google+ und Roll20 kombiniert mit einer Spielgruppe am Tisch – ein technisches „Lessons Learned“.

Einer meiner Spieler wohnt leider 300km vom Rest der D&D-Gruppe entfernt, so dass es für ihn sehr schwierig ist, immer persönlich zu den – wenn auch seltenen – Spielsitzungen zu kommen. In der Vergangenheit hatten wir deshalb schon öfters einen zusätzlichen Laptop auf dem Spieltisch stehen, auf dem besagter Spieler via Skype-Videokonferenz, Webcam und Mikrofon dann trotzdem zugegen war. Da wir in der Regel wenig kämpfen klappte das sehr gut.

Letztens spielten wir „Die Unsichtbare Grenze“, und wer schon mal einen Blick in das Abenteuer geworfen hat, der weiß, dass man hierzu mehr oder weniger zwingend eine Battlemap benötigt. Dies stellte uns natürlich vor neue Herausforderungen, da wir keine zweite Webcam über den Tisch hängen wollten, welche dann die Battlemap abfilmt und per Video überträgt. In Anbetracht der Techniken und der Software, die mittlerweile existieren, erschien uns dies als zu profan … J

Da wir in der Zwischenzeit von Skype auf Google+ Hangouts umgestiegen waren, was die Videokonferenzen anbelangt, fiel unsere Wahl auf Roll20. Also legte ich eine Kampagne an, erfasste die Karte der Gruft, platzierte Tokens für Monster und Fallen (natürlich nur auf dem GM-Layer) und hüllte alles in den Nebel des Krieges.

Allerdings kam ich dann auf eine wahnwitzige Idee – warum sollte der eine Spieler in den Genuss der Battlemap in Roll20 kommen, während die anderen mit einer gezeichneten Karte auf dem Tisch vorlieb nehmen sollen? Außerdem müsste man immer die Position der Tokens zwischen „virtueller“ und „realer“ Battlemap angleichen …

Zum Glück bin ich aus beruflichen Gründen im Besitz einiger ausrangierter Laptops, und in meinem Wohnzimmer gibt es einen Beamer samt Leinwand. Also wurde folgendes Konstrukt gebaut:

  • Ein Laptop wurde an den Beamer angeschlossen. Hier lief Roll20 als Stand-Alone-Version mit einem Spieler-Account und warf die Battlemap auf die Leinwand.
  • Laptop Nummer Zwei war für die Kommunikation mit dem nicht persönlich anwesenden Spieler vorgesehen, hier lief der Google+ Hangout, so dass wir den „Remote-Spieler“ sehen und hören konnten, und er uns.
  • Der dritte Laptop war der DM-Rechner. Hier lief ein weiterer Google+ Hangout, so dass der Spieler mich als DM noch mal deutlicher sehen konnte. Gleichzeitig lief hier Roll20 als App mit dem Spielleiter-Account, so dass ich von hier aus die Battlemap steuern konnte.

Insgesamt kostete es mich drei Stunden, alles aufzubauen, zu verkabeln, zu testen und in Roll20 die Karte wie beschrieben anzulegen. Dann kam der große Tag – und nichts klappte!

Das erste Problem war Roll20. Als ich meine Karte laden wollte – egal ob in der Stand-Alone‑ oder der App‑Version direkt im Hangout – zählte Roll20 den Countdown runter bis 0 und dann tat sich nichts mehr. Das Programm hing einfach. Ich kam nicht mehr an meine Kampagne ran! Wir versuchten es immer mal wieder, mit verschiedenen Browsern unter verschiedenen Usern, haben unsere Rechner x-mal neu gestartet, guckten letztendlich auch in den Foren auf der Homepage. Dort gab es tatsächlich User, die ähnliche Probleme hatten, aber es gab noch keine Lösung. Kopieren der Kampagne half manchmal, aber nicht bei uns.

Irgendwann nach zwei Stunden klappte es dann plötzlich und wir konnten loslegen. Da dabei noch so einiges andere schiefging, hier ein kleines „Lessons Learned“, falls jemand das Ganze vielleicht nachbauen möchte:

Roll20 empfanden wir als absoluten Käse. Wir hatten als Alternative MapTool in Betracht gezogen, hatten uns aber aufgrund der Einfachheit und der Hangout-Integration für Roll20 entschieden.

  • Zuerst die bereits geschilderten Probleme, überhaupt die Kampagne laden und die Battlemap anzeigen zu können.
  • Die Symbole unten links, die anzeigen, wer angemeldet ist, haben uns total gestört, da sie ständig irgendwas wichtiges verdeckt haben.
  • Auf dem Präsentationsrechner (der, der am Beamer hing) hat sich andauernd die Karte verschoben, ohne dass wir den Rechner angefasst hatten, und einer der Spieler musste ständig nachjustieren, damit man wieder den aktuellen Kartenausschnitt sah.
  • Die schicke Funktion, die Lines of Sight automatisch aufzudecken und die MapTool standardmäßig mitbringt, habe ich echt vermisst; das Ganze manuell aufzudecken und dabei immer zwischen den einzelnen Tools hin- und herschalten zu müssen, empfand ich als nervig.

Leider waren einige weitere technische Probleme auch hausgemacht. Ich hatte dummerweise den Rechner mit der geringsten Rechenpower für die Videokonferenz benutzt, den mittleren Rechner als Präsentationsrechner und den neuesten (also schnellsten) Rechner als DM-Rechner. Obwohl der arme Videorechner die ganze Zeit am Anschlag lief (und der Lüfter ebenfalls, was also entsprechend laut war), hatten wir während der Videokonferenz teilweise nur Standbilder, teilweise waren auch nur die oberen 2/3 des Videostreams zu sehen und der Rest einfach weiß. Der Rechner war so ausgelastet, dass man Probleme hatte, die Systemsteuerung zu öffnen und an den Einstellungen zu schrauben: leider hat der Rechner nämlich mehrmals vom Tischmikro auf das Mikro, welches in der Webcam eingebaut ist, umgeschaltet. Da diese aber gut zwei Meter von den Spieler weg stand war die Audioqualität auf der anderen Seite entsprechend gering.

Besser wäre wohl:

  • Den schnellsten Rechner für die Videokonferenz
  • Den mittleren Rechner als DM-Rechner
  • Den langsamsten als Präsentationsrechner

Ach ja: Zu beachten war auch noch, dass das Mikro des DM-Rechners ausgeschaltet sein muss. Ansonsten fängt es die Audiosignale des Videorechners auf und es gibt schöne Echos … J