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Augenscheinlich muss der gute Dr. Canterbury sein Tagebuch leider (vorübergend?) schließen und in die Schublade mit den unerledigten Dingen legen. Warum?

Unser Spielleiter kommt mit dem Setting nicht zurecht.

Nein, falsch ausgedrückt: unser Spielleiter kommt mit der Art und Weise, wie das Setting im Buch präsentiert wird, nicht zurecht. Die Plot-Point-Kampagne ist ihm nicht detailliert genug ausgearbeitet, die Savage Tales sind ihm zu dünn, und am Abenteuergenerator hat er kein gutes Haar gelassen. Alles in allem hat er das Buch verbal ziemlich zerrissen. Es war unser erster Ausflug in ein Savage Worlds Setting, und wahrscheinlich war seine Erwartungshaltung, dass man die Abenteuer direkt ohne große Vorbereitung aus dem Buch spielen könnte – so wie die Autoren des Systems es doch propagieren … Es sind aber wohl nur Rahmenhandlungen und grobe Ideen zu finden, welche man doch relativ aufwändig mit „Fleisch“ füllen muss.

Er selbst leitet seit Jahren DSA, ist also diesbezüglich etwas anderes gewohnt – vielleicht ist das der Grund; ich persönlich habe in meinen D&D-Kampagnen das letzte Mal vor gefühlten 15 Jahren etwas direkt aus einem Buch geleitet, schreibe stattdessen viel selbst und improvisiere auch viel. Eigentlich hatte ich mich vor ein paar Monaten dazu bereit erklärt, nach unserer Rippers-Kampagne einen Pathfinder-Abenteuerpfad zu leiten – bin ja mal gespannt, wie das funktionieren wird. Irgendwie haben wir uns beide augenscheinlich etwas zum Leiten ausgesucht, was unserem eigentlichen Stil zu leiten konträr gegenübersteht …

Zurück zu Rippers – ich persönlich habe (pflichtbewusst) nur den ersten, also den Spielerteil gelesen, kann also die Eindrücke unseres Spielleiters weder untermauern noch widerlegen. Allerdings hätte auch ich mir an einigen Stellen mehr Details oder Erklärungen gewünscht. So sind die Flufftexte am Anfang des Buches zwar nett gemacht, aber eine wirklich prägnante Darstellung bieten sie nicht: wie genau das Setting aufgebaut ist, was die Ripper sind, wie sie arbeiten und organisiert sind – all diese Infos muss man sich aus den einzelnen Kapiteln des Buches zusammenklauben. Wer die Tagebücher gelesen hat der weiß, dass es unseren beiden „Ladies“ zum Beispiel nicht ganz klar war, dass die Ripper im Geheimen operieren und man dies nicht jedem auf die Nase binden sollte.

Auch eine Darstellung der viktorianischen Zeit fehlt meiner Meinung nach – dies sollte zumindest in groben Zügen dargestellt werden, anstatt es als gegeben vorauszusetzen. Ohne Sekundärliteratur wäre ich als reiner Fantasyspieler hier ein wenig aufgeschmissen gewesen. Aber zum Glück gibt es ja das sehr gute Regelbuch von Private Eye.

Trotzdem hat’s Spaß gemacht. Auch Savage Worlds selbst wusste zu gefallen, obwohl wir nach nur drei Spielsitzungen noch nicht wirklich regelfest sind.

Auf jeden Fall hat sich unser Spielleiter nun eine Pause erbeten, damit er sich – sobald er die Zeit dafür findet – ordentlich vorbereiten kann, so dass es auch seinen eigenen Ansprüchen an eine solche viktorianische Kampagne genügt.

Aber wie es üblicherweise mit so vielen Kampagnen ist, die pausiert werden, um sie irgendwann einmal weiterzuspielen, gehe ich momentan stark davon aus, dass ich Dr. Canterbury leider nicht wiedersehen werde. Schade eigentlich.