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29. März 1892

Wie heute Nachmittag verabredet traf ich mich am Abend noch einmal mit Prof. Puddlewick unter vier Augen zu einem gemütlichen Essen, bei dem wir allerlei interessante Neuerungen der Wissenschaft diskutieren konnten, ohne durch unpassende Einwände meiner beiden Begleiterinnen gestört zu werden – diese waren, so erfuhr ich später, bei einem schottischen Abend in einem Pub abgestiegen.

Nach dem Essen zogen wir uns noch zu einer Zigarre und einem guten Whiskey in einen Club zurück. Mein Kollege erzählte mir, dass die diesjährige Ruderregatta in Cambridge wohl Ende Mai stattfinden würde – ein Termin, den ich mir unbedingt vormerken sollte.

Leider konnte er es aber dann doch nicht lassen, das Gespräch auf meine beiden Begleiterinnen und ihre merkwürdigen Anmerkungen am heutigen Tag zu lenken. Ich erzählte ihm noch einmal unsere Erlebnisse im Hyde-Park und schilderte ihm ein paar Einzelheiten über das erlegte Monster, ließ jedoch alle Details über die Ripper außen vor. Er gab sich glücklicherweise irgendwann zufrieden, so dass wir uns verabschiedeten und ich in mein Zimmer im Hotel zurückkehren konnte.

30. März 1892

Am nächsten Morgen wurde ich von einem Boten geweckt, der mir eine Nachricht von Prof. Puddlewick überbrachte – ich sollte ihn noch einmal dringend in seinem Büro in der Universität aufsuchen und auch meine beiden Begleiterinnen mitbringen. Also weckte ich Schwester Scarlett und Miss Natascha, und nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg.

Im College angekommen erzählte mir der etwas aufgelöst wirkende Professor dann, dass er gestern Nacht nach unserem Gespräch noch einmal in seinem Labor war und dort einen Umschlag mit der folgenden, mysteriösen Botschaft gefunden hatte:

Wurden von aufrecht gehenden Katzen angegriffen

Ich ging nach St. Ives im Morgengrauen
und traf einen Mann mit sieben Frauen,
jede Frau trug sieben Sack,
trug sieben Katzen Huckepack,
sieben Kätzchen jede Katze hat,
Kätzchen, Katzen, Säcke, Frauen,
wie viele gingen nach St. Ives im Morgengrauen?

Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht?😉

Des Rätsels Lösung war schnell gefunden – natürlich ging nur einer nach St. Ives, nämlich der Rätselsteller bzw. der Leser selbst. Wir deuteten dies als Hinweis darauf, dass auch wir uns auf den Weg nach St. Ives machen sollten, das nur 30 Minuten mit der Kutsche von Cambridge entfernt liegt. Dies war auch der einzige Hinweis, dem wir folgen konnten, denn im Labor des Professors, das wir noch unter die Lupe nahmen, war ansonsten nichts zu finden – nur er und sein Assistent, der aber gerade im Ausland weilte, hätten einen Schlüssel zum Labor, es gab keine Einbruchspuren, es fehlte nichts und außer dem mysteriösen Brief war auch nichts hinzugefügt worden.

Also bestellten wir uns eine Kutsche und machten uns auf den Weg nach St. Ives. Kurz vor der Stadt überquerten wir eine Brücke, in deren Mitte eine Kapelle eingelassen war – und sieht da, vor der Kapelle lagen sieben Jutesäcke auf dem Boden. Irritiert hielten wir an und untersuchten die Säcke, diese waren jedoch allesamt leer. Neugierig geworden betraten wir vorsichtig die kleine Kapelle, und auch in ihrem Inneren hingen Jutesäcke an den Kirchbänken, und ein Sack lag sauber aufgefaltet auf dem Altar – insgesamt wieder sieben Stück. Merkwürdig, aber eigentlich hätten wir die Falle, in die wir gerade getapert waren, von vornherein riechen müssen. Naja, wir sind halt noch Anfänger im Rippers-Geschäft.

Kaum hatten wir uns nämlich zur Untersuchung der Kapelle aufgeteilt, huschten auf leisen Sohlen sieben(!) Katzenwesen die Turmtreppe herab, zischten etwas davon, dass der Professor nun sterben müsse, und griffen an. Wir verteidigten uns so gut es ging, aber schon nach wenigen Angriffen lag mein werter Kollege tödlich getroffen am Boden – Gott sei seiner Seele gnädig. Wir wehrten uns nach Leibeskräften, konnten die Situation allerdings erst zu unserem Vorteil wenden, als Schwester Scarlett die Hilfe des Herrn anrief und drei der Katzen in gleißenden Lichtstrahlen versengte. Beeindruckend! Auf jeden Fall schafften wir es, sechs der Katzenwesen den Garaus zu machen und die siebte lebend gefangen zu nehmen.

So, das war also unser erster größerer Kampf mit der Rippers-Mechanik. War alles noch sehr holprig und man musste viel überlegen, was man jetzt wie würfeln musste und wie viel Schaden man jetzt verursachte — von Fast! und Furious! war da noch nicht viel zu merken, aber Fun! hat’s gebracht. Kommt wahrscheinlich mit der Zeit.

Somit war unser erster Kampf mit der Kabale Geschichte, leider unter schweren und sehr traurigen Verlusten – die Welt hat einen hervorragenden Wissenschaftler verloren. Doch nun begannen die Fragen – hierauf hatte uns die Loge in London nicht vorbereitet: was tun mit den Leichen? Wenn niemand etwas von der Existenz der Monster weiß, können wir schlecht sechs Katzenwesen mitten in einer Kapelle liegenlassen, schon gar nicht am helligten Tag!h Und was ist mit der Leiche des Professors, der ja augenscheinlich von den Pranken einer Raubkatze getötet wurde, und das mitten im beschaulichen England? Zumal er eine Person ist, die im öffentlichen Rampenlicht steht …

Ich fand diese Fragestellungen — ein wenig im Gegensatz zu meinen beiden Mitpsielerinnen — schon interessant zu diskutieren. Leider gibt hier das Setting wenig Aufschluss darüber — gibt es so etwas wie eine „Cleaning“-Abteilung, die nachher die Tatorte aufräumt? Was passiert mit — man verzeihe den abwertenden Ausdruck — Kollateralschäden wie den toten Professor? Man will ja schließlich nicht mit einem Mord in Verbindung gebracht werden, das könnte die Karriere schließlich ganz schnell beenden …

Zuallererst wurde der Kutscher mit einer ordentlichen Stange Geld dazu gebracht, alles zu vergessen, was er hier gesehen hat. Die sechs toten Katzenwesen wurden kurzerhand im Fluss versenkt, in der Hoffnung, dass dies ausreicht. Die Leiche des Professors und das gefangene Katzenwesen wurden in die Kutsche verfrachtet – wir trafen kurzerhand die Entscheidung, nicht per Zug, sondern mit der Kutsche direkt bis nach London zurückzufahren.

Zu guter Letzt wollte ich aber endlich noch mein gesammeltes Wissen anwenden und entnahm Gewebeproben aus den Muskeln der Katzenwesen, um daraus im heimischen London meine ersten Rippers-Extrakte destillieren zu können. Mal sehen wie mir dies gelingt …

Die Vorgaben für diesen Plot hatte unser Spielleiter mit Hilfe des Abenteuergenerators zusammengewürfelt. Ich hatte ja schon beim letzten Mal angedeutet, dass er lieber detailliert ausgearbeitete Vorlagen vorzieht, als sich anhand von ein paar Stichpunkten durch das Abenteuer zu bewegen (DSA-Vergangenheit). Daher gab es auch ein paar Logiklücken (oder „offene Fragen“), wie etwa warum die Katzenwesen den Professor töten wollten, wie sie den Brief in sein Labor geschmuggelt haben und warum sie ihm eine so umständliche Falle stellen, anstatt ihn an Ort und Stelle in Cambridge zu töten. Ich hatte zuerst die Vermutung, der Professor selbst stünde mit der Kabale im Bunde und hat die Ripper in die Falle gelockt, um die loszuwerden — das wäre eine überraschende Wendung gewesen und hätte alle Logiklöcher erklärt …