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11. März 1892

Heute war ein merkwürdiges Schreiben von einem gewissen Johann van Helsing in meinem Briefkasten, welches mich darum bittet, mich den Rippern anzuschließen. Zu diesem Zwecke soll ich in 14 Tagen in den Lord British Gentlemen’s Club (Ultima, anyone?) an der Park Lane direkt gegenüber des Hyde Parks kommen. Ich vermute, dass mein italienischer Kollege hier seine Finger im Spiel hat …

25. März 1892

Pünktlich um 18 Uhr fuhr meine Droschke vor dem Club vor und mit Hilfe des erhaltenen Briefes wurde mir Einlass gewährt. Drinnen fand ich einen bunten Haufen an Leuten unterschiedlichster Couleur vor, Herren wie Damen – nicht ganz das, was ich in einem Gentlemen’s Club erwartet hätte. Obwohl ich in der High Society Londons gut bewandert bin, kannte ich hier niemanden.

Beim Essen landete ich mit zwei Damen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, an einem Tisch – wie sich später herausstellte ein gewolltes Arrangement, da wir drei ein neues Team bilden sollten. Zu meiner Linken saß Ordensschwester Scarlett, Engländerin mit deutschen Wurzeln, eine gebürtige von Hindenburg. Sie hatte sich in das Kloster von Westminster Abbey zurückgezogen und den Kontakt mit ihrer Familie fast komplett abgebrochen, so dass sie auch meinen werten Studienkollegen Richard von Hindenburg aus dem fernen Berlin nicht kannte. Die andere Dame war mir, so muss ich leider gestehen, auf den ersten Blick eher unsympathisch, handelte es sich doch dem Augenschein nach um eine Person niederer Herkunft – eine Zigeunerin namens Natascha irgendwo aus den Stadtteilen südlich der Themse. Sie erzählte jedoch eine ungeheuerliche Geschichte darüber, dass sie einen Vampir von Rumänien aus bis nach London verfolgt und ihn hier zur Strecke gebracht hätte. Im allgemeinen schien sie von Vampiren einigermaßen „fixiert“ zu sein (ich möchte das Wort „besessen“ vermeiden).

Nach dem Essen erhielten wir dann viele nützliche Informationen über die Ripper und ihre Arbeitsweise, und wurden letztendlich gefragt, ob wir der Organisation beitreten wollten. Jeder von uns bejahte diese Frage, wenn auch aus anderen Motiven (bei mir war es wissenschaftliche Neugier).Da die Ripper eine Organisation sind, die auf strengste Geheimhaltung angewiesen ist, möchten wir uns auch nicht ausmalen, was passiert wäre, hätten wir die Frage verneint …

Nachdem der „offizielle“ Teil des Abends beendet war, entschieden wir drei uns dazu, in einer nahegelegenen Hotelbar noch einen Drink zu nehmen, und traten vor die Tür. Noch ehe ich eine Droschke anhalten konnte, traten plötzlich zwei Gestalten aus dem Nebel, ein altes Mütterchen gestützt von einem jungen Mann. Die Frau – augenscheinlich ebenfalls eine Zigeunerin – machte uns eine merkwürdige Weissagung:

„Hütet Euch vor dem Sohn der zwei Väter!“

Der geneigte Leser wird erkannt haben: wir spielen den ersten Teil der Plot-Point-Kampagne.

Unmittelbar darauf trat eine weitere Gestalt aus dem Nebel, die alte Frau erschrak und spie eine Art Fluch aus, woraufhin der Mann sie mit einem gezielten Schlag niederschlug und in den Nebel verschwand. Während sich Schwester Scarlett um die niedergeprügelte Zigeunerin kümmerte, nahmen Natascha und ich die Verfolgung des Ganoven auf, welcher durch den Hyde Park zu flüchten versuchte. Hier machte mir leider mein Bein zu schaffen, so dass ich mehr oder weniger nutzlos hinter dem Flüchtigen und Natascha her humpelte und zu allem Überfluss noch im Nebel eine Treppe übersah und mir Schrammen und eine Prellung zuzog. Ich habe während der Verfolgungsjagd keinen einzigen Erfolg gewürfelt, aber irgendwie passte das sehr gut zu meinem „lahmen“ Handicap. Durch den Nebel konnte ich hören, wie sich Natascha und der nun zu einem Riesen mutierte Mann einen kurzen Schlagabtausch leisteten – ohne Erfolg, denn meine Begleiterin zog sich verwundet zurück, währen der Ganove weiter in den Nebel floh. Zwar hat Natascha mit einem geschickten Dolchstoß zwei Wunden verursacht, unser Spielleiter behandelte den Gegner jedoch als Wildcard. Ich versuchte noch mein bestes, ihm zu folgen, musste jedoch aufgeben, nachdem er – schon in der Nähe von Kensington Gardens – einfach so durch eine Ziegelmauer brach und verschwand. Im Schein der Gaslaternen konnte ich noch erkennen, dass er bei seiner Flucht durch die Mauer etwas verloren hatte: einen Zettel mit einer mysteriösen Botschaft:

„Omega kommt morgen an, ich bin sicher, dass die Biosphäre dann
fertig gestellt sein wird. Alles verläuft nach Plan.“

Ich verstehe kein Wort, vor allem diese ominösen „Omega“ und „Biosphäre“ geben Rätsel auf. Wir kehrten in den Gentlemen’s Club zurück, wo sich Schwester Scarlett um die bewusstlose alte Dame gekümmert hatte – leider konnten wir sie immer noch nicht befragen. Ihr Begleiter sprach nur Rumänisch, da dies jedoch Nataschas Muttersprache nicht unähnlich ist, konnten sich die beiden wenigstens ein bisschen verständigen. Viel Informationen erhielten wir trotzdem nicht, nur, dass es sich bei dem Wesen wohl um einen Hyde gehandelt haben muss und die alte Zigeunerin mit einer Art „Arkanes erkennen“ seine Verwandlung ausgelöst hatte. Was die merkwürdige Prophezeiung zu bedeuten hätte, wusste er nicht, und auf die Frage, was die beiden so spät nachts in einem so vornehmen Viertel wie der Park Lane verloren hätten, antwortete er nur, es wäre ein Wink des Schicksals.

Die Mitglieder der Ripperloge, auf die Weissagung und das Schriftstück angesprochen, zuckten auch nur mit den Schultern. Zumindest beglückwünschten sie uns dazu, den Zettel erbeutet zu haben, denn jegliche Information, die wir der Kabale entlocken können, wie verworren diese auch sein mag, kann den Rippern helfen. Nun gut, wir werden also mal schauen müssen, was der Zettel bedeutet. Vielleicht kann ich morgen mal in der Bibliothek des King’s Colleges etwas herausfinden …