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Es folgt der zweite Spielbericht über meine laufende D&D-Kampagne und meine Erfahrungen mit meiner Sandbox. Gleich vorweg: die Spielsitzung war reichlich chaotisch – und das aus zweierlei Gründen …

Zum einen war einer meiner Spieler nicht persönlich anwesend, sondern er wollte an der Spielsitzung mittels Videokonferenz via Skype teilnehmen. Das hatten wir vor ein paar Jahren schon zwei  oder dreimal gemacht und es hatte eigentlich ganz gut funktioniert. Dieses mal machte uns aber die Technik einen Strich durch die Rechnung, weil erst die Tonqualität schlecht war und dann die Videoverbindung regelmäßig den Dienst quittierte. So waren wir zu Beginn vornehmlich mit dem Wiederaufbauen der Verbindung beschäftigt und konnten gar nicht richtig in den Spielfluss kommen. Die einzig funktionierende Notlösung war dann, die Kamera der Spielgruppe auszuschalten, so dass wir zwar den fehlenden Spieler sehen konnten, er uns aber nicht – er musste also den Geschehnissen am Tisch als Hörspiel folgen. Erst gegen Ende der Spielsitzung hat die Videoübertragung dann auch wieder bidirektional funktioniert, ohne alle fünf Minuten abzustürzen …

Aber zur eigentlichen Spielsitzung und dem zweiten Grund, warum sie chaotisch war.

Die Protagonisten:

  • Aeron, „der Spieler“ (menschlicher Magier [Beschwörer] 9)
  • Amdell, „der Falkner“ (elfischer Waldläufer 9)
  • Bredhaway, „der Gezeichnete“ (menschlicher Kleriker 8)
  • Isigor, „der Glücksritter“ (Halblingkämpfer 6/ Schurke 2)
  • Zarkon, „der Reisende“ (menschlicher Magier [Wandler] 7)

Am Ende der letzten Spielsitzung hatten sich die Charaktere eigentlich dazu entschlossen, zusammen mit Amdells Großonkel Lhao – einem wichtigen NSC der Kampagne – in die Bibliothek zu gehen, um dort Nachforschungen bezüglich des Artefakts anzustellen, welches Lhao sucht. Auf der Straße vor ihrer Unterkunft trafen die SC dann auf den Magier Aeron, der an der letzten Spielsitzung nicht teilgenommen hatte.

An dieser Stelle holten die Spieler nun ihre Questlogs aus dem Ordner und verschafften sich erst einmal einen Überblick über die noch offenen Handlungsstränge. Hier zeigte sich dann einer der kleinen Nachteile einer Sandbox mit mehreren parallelen Handlungssträngen, und das Chaos nahm seinen Lauf …

Die Auserwählten erzählten Aeron davon, dass Isigor – nachdem er die Nacht mit der überaus scharfen, rothaarigen Alexa verbracht hatte – am heutigen Morgen mit einem Energieverlust aufgewacht war, und baten ihn, besagte Alexa zu beschatten. Isigor und Zarkon entschieden sich, dem Auftrag der Händlergilde nachzugehen und den Brief, den sie noch bei sich trugen, zuzustellen. Amdell blieb dabei, seinen Großonkel in die Bibliothek begleiten zu wollen, da er parallel noch an seiner persönlichen Charakterqueste arbeite wollte – herauszufinden, was in Lhaos Vergangenheit passiert ist. Bredhaway schließlich schloss sich den beiden Elfen auf dem Weg in die Bibliothek an, jedoch wollte er Informationen über Untoten und Energieverlust recherchieren.

Also teilte sich die Party – ein Umstand, mit dem ich normalerweise keine Probleme habe, aber irgendwie lief es diesmal nicht ganz so gut. Am Anfang funktionierte es noch relativ unproblematisch – schnelle Schnitte zwischen den einzelnen Teams, kurze Spotlights von drei bis maximal fünf Minuten und dann ein Wechsel zum nächsten Team, wenn sich die Spieler eines Teams absprechen wollten oder würfeln mussten. Der Einfachheit halber springe ich aber im folgenden nicht zwischen den einzelnen Szenen hin und her, sonder erzähle die Handlungsstränge einen nach dem anderen.

Aeron machte sich also daran, besagte Alexa zu beschatten, und benutzte als erste Amtshandlung seinen Ring der Wahren Sicht. So erkannte er schnell, worum es sich tatsächlich bei ihr handelte: um einen Succubus!

Die Szene hat super funktioniert – ich schickte dem Spieler einfach das Bild eines Succubus per Skype und alle Spieler am Tisch konnten schön seinen Gesichtsausdruck sehen, als er die Datei öffnete. Dieser Gesichtsausdruck lehrte sie zumindest, dass sie wohl ein größeres Problem haben, die genauen Umstände sind aber weiterhin nur Aerons Spieler bekannt.

Aeron fasste nach längerem Zögern den Plan, den Succubus aus der Taverne nach draußen zu locken. Er wollte sie zu einem Bekannten locken, welcher als eine Art Geheimpolizist im Dienste des Kaisers arbeitet – augenscheinlich traute er diesem zu, genug Macht oder Ressourcen zur Verfügung zu haben, mit dem Succubus fertig zu werden.

Ein ziemlich waghalsiges Unterfangen, sich alleine in die Fänge des gefährlichen Dämons zu begeben, aber o.k.🙂

Gleichzeitig suchten Amdell und sein Großonkel Lhao in der Bibliothek nach Hinweisen, die sie auf die Spur nach besagtem Artefakt bringen könnten, und fanden schon mal heraus, dass Mdina auf den Ruinen einer alten Elfenstadt errichtet wurde. Eine erste zaghafte Spur also. Gleichzeitig versuchte Amdell, Lhao in ein Gespräch zu verwickeln, damit dieser wieder Vertrauen ihm gegenüber fassen könne.

Leider waren die schnellen Schnitte während des Gespräches zwischen Lhao und Amdell eher kontraproduktiv. Ich wollte eigentlich Amdells Spieler nicht zu viel Spotlight am Stück geben, also wechselte ich auch während des Gesprächs öfter die Teams. Dadurch kam leider kein wirklich gutes Gespräch zustande, zumal ich zwischendurch die Regel, einem Team nicht zu viel Aufmerksamkeit am Stück zu widmen, gebrochen habe.

Zarkon und Isigor erreichten nämlich den Laden des Händlers, welchem sie den nächsten Brief überreichen sollten, und stellten fest, dass dort ein paar dubios wirkende Straßenschläger herumlungerten. Als sie sich ein näheres Bild von der Lage machen wollten, sahen sie, dass der Wachposten des Ladens von einem der Schläger mit einer Armbrust bedroht wurde und schlossen daraus, dass hier gerade wohl ein Überfall stattfand. Die beiden zögerten nicht lange und griffen an. Schnell war einer der Schläger tot, zwei weitere Schläger und ihr Anführer im negativen Trefferpunktebereich und einer geflohen. Leider zeigte sich der gerettete Händler im ersten Augenblick eher undankbar und erschüttert über das brutale und blutige Eingreifen der Charaktere – sie hätten ein Mitglied der Familie Testaferratius in seinem Laden niedergestochen, und das würde sicherlich nicht ohne Folgen bleiben. Nachdem die verwundeten Schläger und ihr Anführer geheilt waren, wurden sie der Stadtwache übergeben.

Was die Spieler noch nicht wissen: obwohl die Familie Testaferratius zu den adeligen Familien der Stadt zählt, könnte man sie eher mit einem Verbrechersyndikat vergleichen, und sie sind quasi der größte Konkurrent der Händlergilde. Der Angriff und die anschließende Verhaftung eines ihrer Mitglieder wird bestimmt den Unmut der „Familie“ gegenüber den Charaktere nach sich ziehen.

Was hier leider vollkommen aus dem Ruder lief: ich habe den Kampf in einem Stück durchgespielt, also wurde der Fokus für mindestens eine halbe Stunde allein auf Isigor und Zarkon gesetzt und die anderen Spieler damit zum Zugucken verurteilt. Und dass, obwohl ich Amdell vorher ein durchgängiges Spotlight für sein rollenspielerisch wahrscheinlich sehr intensives Gespräch mit seinem Großonkel verweigert hatte.

Und Bredhaway?

Bredhaway fand leider in der Bibliothek zwar einige Hinweise über Untote und Energieverluste, aber keine, die er in der aktuellen Situation brauchbar anwenden konnte. Er fand jedoch noch den Hinweis, dass auch andere Wesen zu einer solchen Form des Angriffs fähig sind, wie zum Beispiel einige Dämonen. Ausgestattet mit dieser Information entschloss er sich dann aber, sich Isigor und Zarkon anzuschließen, und erreichte den Schauplatz des Geschehens gerade zu dem Zeitpunkt, als der Kampf gerade zu Ende war. Er konnte also nur noch dafür sorgen, die Straßenschläger zu heilen.

Bredhaways Spieler tat mir im Nachhinein schon ein wenig Leid – obwohl auch er regelmäßig „dran war“, hatten seine Aktionen ein eher schlechtes Timing und ich hatte versäumt, seinen Charakter besser in die Geschehnisse mit einzubeziehen. So war es für ihn eine leider sehr dürftige Ausbeute für einen kompletten Spieleabend.

Ich hatte sowieso das Gefühl, an diesem Abend sehr wenig geschafft zu haben, was nicht nur daran lag, dass die Spielsitzung etwa zwei Stunden kürzer war, als dies sonst für uns üblich ist. Die technischen Probleme zu Beginn haben sicherlich auch dazu beigetragen, aber auch beim Schreiben dieser Zusammenfassung kann ich diesen Eindruck nur bestätigen. Lag wahrscheinlich an dem chaotischen Hin und Her und dem Basteln an drei verschiedenen Baustellen.

Hinzu kommt, dass mir auch die zeitliche Komponente vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist – während Amdells Recherche in der Bibliothek eigentlich den ganzen Tag über gedauert hat und es bei ihm schon Abend ist, haben die anderen Aktionen nur eine Stunde oder etwas länger gedauert und bei ihnen ist es erst Mittag.

Mein Fazit: Schon lange nicht mehr so ein Chaos beim Leiten verursacht. Aber es heißt ja auch: Don’t split the party! Dies gilt auch für Spielleiter.