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Da sich unsere Gruppe, bedingt durch Beruf, Entfernung und andere Verpflichtungen, nur noch wenige Male im Jahr trifft – zurzeit maximal einmal pro Quartal – ging es mir jedes Mal gegen den Strich, wenn meine Spieler die kostbare Zeit, die wir für das Spielen und die Weiterentwicklung des Plots haben, in Nebensächlichkeiten ergießen. Dies war insbesondere zu Beginn einer jeden Spielsitzung der Fall, wenn die Charaktere „nur noch mal schnell“ ihre Ressourcen aufstocken oder die Beute des letzten Abenteuers verteilen mussten – alles, was lange dauert, aber im Endeffekt niemanden weiterbringt.

Letztendlich konnte ich dieses Problem aber lösen, indem ich solche Dinge von der Spielsitzung weg in die spielfreie Zeit dazwischen verlagern konnte. Hilfreich dabei – und Grundstein meiner Idee – ist ein NSC, welcher im Hintergrund der Charaktere agiert und deshalb von mir immer als „Backoffice“ tituliert wird. Dieser NSC kann den SC sämtliche Routinearbeiten abnehmen. Damit die Spieler bzw. deren Charaktere auch zwischen den Spielsitzungen mit diesem NSC Kontakt aufnehmen können, habe ich ihm einfach eine eigene E-Mail-Adresse verpasst und fertig …!

Der NSC ist übrigens der ehemalige Charakter eines meiner Spieler, der aus beruflichen Gründen weggezogen und daher meine Gruppe verlassen hat. Ich hatte erst überlegt, diesen SC eines Unfalltodes sterben zu lassen, habe aber dann bewogen, ihn als NSC zu behalten und ihm eine neue Funktion zu geben. Als Magier vor dem Hintergrund eines Gelehrten passte er schon sehr gut in die Rolle des Backoffice-NSC; ich habe ihm nur noch zwei Stufen als Experte zusätzlich gegönnt, um ein paar Fertigkeiten zu steigern. Darüber hinaus besitzt er Zugriff auf ein ausschweifendes Netzwerk aus Händlern, Handwerkern, Experten für bestimmte Wissensgebiete und andere Spezialisten – und da diese NSC nur dem Backoffice bekannt sind, nicht aber den eigentlichen Charakteren, erspare ich mir eine Menge an (mehr oder weniger) ausgearbeiteten NSC! Der Name des Backoffice ist übrigens Doctore Domani …😉

Hier nun aber eine Liste mit Dingen, welche die Spieler nun per E-Mail abwickeln können, so dass hierfür keine Zeit am Spieltisch mehr verschwendet wird:

  • Als Magier ist er natürlich prädestiniert dafür, den Haufen an Dingen, die die anderen SC von ihren Abenteuern mitbringen, auf magische Gegenstände hin zu untersuchen und diese auch zu identifizieren.
  • Auch die anderen Dinge, die man in bare Münze verwandeln kann, seien es nun Kunstgegenstände, Geschmeide, Edelsteine oder anderes Zeugs, kann er schätzen und gegebenenfalls sofort verkaufen. So ersparen sich die SC das lästige Herumlaufen und Feilschen, was manchmal sogar ausgespielt wurde …!

    Technisch sieht das dann so aus, dass mir der Schriftführer meiner Gruppe einfach die Liste aller Dinge zuschickt, welche die Gruppe gefunden und mitgenommen hat, und er diese dann mit Preisen, Kommentaren und der detaillierten Beschreibung der magischen Gegenstände versehen zurückbekommt.
    Manchmal, wenn ich als Spielleiter gut gelaunt bin und die Zeit dazu finde, bekommt er sogar schon einen Vorschlag zurück, wie die Beute halbwegs gerecht aufgeteilt werden könnte, so dass sich jeder der SC nur noch einen Anteil „herauspicken“ muss. Manchmal überlasse ich dies aber auch dem Schriftführer.
  • Die SC können jederzeit Forschungsaufträge an das Backoffice stellen, falls sie bestimmte Informationen benötigen. Sie brauchen dann nicht selbst in staubigen Bibliotheken abzuhängen oder versuchen, einen Experten für ein bestimmtes Sachgebiet zu finden. So wird vermieden, dass auch solche Sachen ausgespielt (oder durch einen profanen Wurf auf „Informationen sammeln“ abgefrühstückt) werden, und ich als Spielleiter habe den Vorteil, genau abwägen zu können, welche Informationen ich den Charakteren zur Verfügung stelle, anstatt von ihren Anfragen am Spieltisch überrascht zu werden und aus Versehen zu viele (oder zu wenige) Informationen preiszugeben.
  • Analog zu oben kann der Backoffice-NSC natürlich nicht nur Dinge für die SC verkaufen, sondern natürlich auch für sie einkaufen. Dabei gehe ich davon aus, dass er alltägliche Dinge wie Munition, Fackeln oder Seile immer in „haushaltsüblichen“ Mengen zur Verfügung hält, so dass sich die SC hier einfach bedienen können. Ungewöhnlichere und ausgefallenere Dinge kann er natürlich auch besorgen, so dass ich dem Spieler nur noch den endgültigen Einkaufspreis per E-Mail zurückschicken muss.
  • Natürlich kann das Backoffice auch Gegenstände für die SC reparieren, entweder selbst mittels Magie oder durch das aufgebaute Netzwerk an Handwerkern.
  • Auch gefundene Sprüchebücher, mit denen die SC selbst nichts mehr anfangen können, kann der Backoffice-NSC aufgrund seiner Magierklasse analysieren, gegebenenfalls austilgen und/oder zu Geld machen.
  • Und letztendlich kann er aufgrund seiner Talente auch noch Spruchrollen beschriften, Tränke brauen und Zauberstäbe herstellen. Zu diesem Zweck hat er Zugang zu einem kleinen Magierlabor.

Meine Kampagne spielt fast ausschließlich auf einer kleinen Inselgruppe mit zwei größeren Städten, so dass die Charaktere quasi sesshaft sind, immer Zugriff auf ihr Backoffice haben, und dieser natürlich auch immer Zugriff zu seinem Netzwerk und seinen übrigen Ressourcen. Das Ganze könnte wahrscheinlich auch bei reisenden Gruppen ganz gut funktionieren, nur muss man hier immer abschätzen, wann der NSC welche Ressourcen zur Verfügung hat und demzufolge welche Aufgaben er erledigen kann – und er muss immer als zusätzlicher NSC durch den Spielleiter mitgeführt werden.

Mein Fazit ist, dass durch die Auslagerung der beschriebenen Aufgaben mehr Zeit für den eigentlichen Plot übrigbleibt, und ich bei der Beantwortung der E-Mails zeitlich flexibler bin, als wenn ich alles ad hoc am Tisch beantworten müsste.

Ich hoffe, ihr konntet aus diesem Beitrag etwas mitnehmen und verbleibe,
Euer Doctore Domani