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oder: Wie ich meine Spieler dazu gebracht habe, eigene Ideen in meine Kampagne einzubringen – Teil 1

Jeder kennt es bestimmt: zu Beginn einer Rollenspielrunde sind alle Spieler erst einmal unkonzentriert, kommen vielleicht direkt von der Arbeit, möchten erst einmal Neuigkeiten austauschen, weil sie sich lange nicht gesehen haben, von einem kürzlich gesehenen Film oder einem neuen Computerspiel berichten oder einfach nur erzählen, was ihnen denn auf dem Weg hierher in der Straßenbahn so passiert ist. Wenn dann plötzlich der „Hebel“ umgelegt wird, das Rollenspiel beginnt und sich die Spieler ad hoc in ihre Charaktere und ihre Rollen einfinden müssen, dann stelle ich immer wieder fest, dass dies zu Beginn immer ein wenig „holprig“ wirkt, bis alles wieder richtig „in Fluss“ kommt.

Manch Spielleiter hat zu diesem Zweck ein kleines Ritual eingeführt, um zu signalisieren, dass das „echte Leben“ nun zurückweichen muss und die eigentliche Rollenspielsitzung beginnt – sei es ein bestimmtes Lied oder gar eine Art „Trailer“, eine Kerze, die entzündet wird oder ähnliches. Ich selbst hatte mir hingegen vor drei Jahren eine kleine „Aufwärmübung“ überlegt, welche ich als Überleitung ins Rollenspiel verwendete. Die Idee dahinter: jeder Sänger wärmt sich vor einem Auftritt auf, indem er Gesangsübungen macht, ebenso jeder Schauspieler, der vielleicht noch einmal seine Texte oder seine Einsätze durchgeht, von Sportlern ganz zu schweigen. Warum sollte dies ein Rollenspieler nicht genauso machen – ein paar kleine Übungen, welche ihn auf das nun folgende Geschehen vorbereiten, seine Konzentration auf das Rollenspiel fokussieren und ihn in seinen Charakter und die Spielwelt eintauchen lassen, ohne dass es sofort „richtig losgeht“ …?

Ich hatte dies seinerzeit so umgesetzt, dass ich jedem Spieler zwei Fragen gestellt habe, entweder zu seinem Charakter oder aber zu Gegebenheiten der Spielwelt, die er dann aus Sicht seines Charakters beantworten musste. Dabei waren die Fragen niemals so gestellt, dass die Spieler die Antwort einfach von ihren Charakterbögen ablesen konnten, sondern dass sie kreativ sein und improvisieren mussten. Hier ein paar Beispiele:

  • Was ist Dein Leibgericht und warum?
  • Auf Deinem Charakterbogen habe ich gelesen, dass Dein Charakter Angst vor Hunden hat. Warum eigentlich?
  • Erzähle mir von den Feierlichkeiten anlässlich Deines 100. Geburtstages! (Der Charakter war ein Elf.)
  • Erzähle mir von dem kleinen rothaarigen Mädchen, in das Du sooo verliebt warst, als Du 13 Jahre alt warst!
  • Bist Du eigentlich religiös?
  • Wie ist das Gefühl so – eine Falle zu entschärfen?
  • Was hältst Du von der politischen Vormachtstellung der Fraktion xy in der Stadt?

Dies hat eigentlich gut geklappt, die Spieler waren nach der Aufwärmübung konzentrierter bei der Sache und auch das Rollenspiel „fluppte“ bereits zu Beginn der Spielsitzung. Außerdem lieferte mir die ein oder andere Antwort ein paar Aufhänger, die ich später verwenden konnte, wenn auch in überschaubarer Anzahl.

Einen Wermutstropfen hatte diese Idee dann aber doch für mich. Ich merkte ziemlich schnell, dass es mir schwerfiel, mir die Fragen ad hoc auszudenken und ich sie recht mühsam vorbereiten musste – was mir die Zeit stahl, die besser in die eigentliche Vorbereitung investiert worden wäre. Also wurde diese Aufwärmübung leider zu schnell wieder eingestellt.

Wie ich diese Idee dann später etwas abgewandelt doch noch umgesetzt habe und wie ich dadurch meine Spieler dazu gebracht habe, ihre eigenen Ideen in meine Kampagne einzubringen, erzähle ich dann in meinem nächsten Post.

Bis dahin,
Doctore Domani

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